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18. September 2026 · 11 Min. Lesezeit

Leguminosen: So düngen Bohnen, Erbsen und Klee deinen Boden

Bohnen, Erbsen, Klee und Lupinen holen sich ihren Stickstoff aus der Luft. Wie das funktioniert, was davon im Beet bleibt und wie du Leguminosen als Gemüse und als Gründüngung nutzt.

Bohnen und Erbsen gehören zu den dankbarsten Pflanzen im Gemüsegarten. Sie kommen direkt ins Beet, verzeihen es, wenn du mal eine Woche nicht jätest, und brauchen keinen Stickstoffdünger. Den holen sie sich selbst, und zwar aus der Luft. Diese Fähigkeit teilen sie mit Klee, Lupinen, Wicken und vielen anderen Pflanzen aus derselben Familie, den Leguminosen. Wer sie kennt, kann seinen Boden mit ihnen verbessern, ganz ohne Sack aus dem Baumarkt.

Was sind Leguminosen?

Leguminosen ist der botanische Name für die Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Der deutsche Name verrät das gemeinsame Merkmal: Ihre Samen reifen in einer Hülse. Weil viele Arten Blüten tragen, die an kleine Schmetterlinge erinnern, heißen sie auch Schmetterlingsblütler. Die Familie ist riesig und reicht von der Gartenerbse bis zur Robinie.

Im Garten und auf dem Feld begegnen dir vor allem diese Leguminosen:

Gruppe Beispiele Wofür du sie anbaust
Gemüse Erbsen, Zuckererbsen, Buschbohnen, Stangenbohnen, Feuerbohnen, Dicke Bohnen (Puffbohnen) Ernte und Bodengewinn zugleich
Körnerleguminosen Ackerbohnen, Linsen, Kichererbsen, Sojabohnen, Lupinen getrocknete Samen
Klee und Luzerne Rotklee, Weißklee, Inkarnatklee, Luzerne Gründüngung, Tierfutter, Bienenweide
Wicken Winterwicke, Saatwicke Gründüngung, oft zusammen mit Getreide
Gehölze Robinie, Goldregen, Blasenstrauch Zier und Bienenweide

Und ja: Bohnen sind Leguminosen, Erdnüsse übrigens auch.

Wie Leguminosen Stickstoff aus der Luft holen

Stickstoff ist der Nährstoff, den Pflanzen für ihr Wachstum in den größten Mengen brauchen. Die Luft besteht zwar zu rund vier Fünfteln daraus, doch in dieser Form können Pflanzen ihn nicht aufnehmen. Leguminosen haben dafür Partner: Knöllchenbakterien, in der Fachsprache Rhizobien.

Die Bakterien leben im Boden und siedeln sich an den Wurzeln der Leguminosen an. Die Pflanze bildet für sie kleine Verdickungen, die Wurzelknöllchen. Darin wandeln die Bakterien Luftstickstoff in Ammoniak um, eine Form, die die Pflanze verwerten kann. Im Gegenzug liefert die Pflanze ihnen Zucker aus der Photosynthese. Beide profitieren, und am Ende steckt Stickstoff in Blättern, Wurzeln und Samen, der ohne Dünger ins Beet gekommen ist.

Ob die Partnerschaft läuft, kannst du selbst prüfen. Grab eine Bohnenpflanze vorsichtig aus und schneide ein Knöllchen auf. Ist es innen rosa bis rötlich, arbeiten die Bakterien. Die Farbe stammt vom Leghämoglobin, einem Farbstoff, der den Sauerstoff im Knöllchen niedrig hält. Den braucht die Stickstoffbindung (Pflanzenforschung.de). Blasse, grünliche oder graue Knöllchen binden wenig.

Info: Muss ich die Samen mit Bakterien impfen? Für Erbsen, Bohnen, Ackerbohnen und Klee in aller Regel nicht. Die passenden Knöllchenbakterien sind in mitteleuropäischen Böden verbreitet, selbst dort, wo lange keine Leguminosen standen (Bürling 2015). Die Ausnahme ist die Sojabohne. Ihre Bakterien kommen hier natürlicherweise kaum vor. Wer Soja säen möchte, braucht Saatgut, das mit einem Impfmittel behandelt ist.

Wie viel Stickstoff bleibt im Beet?

Wie viel Stickstoff Leguminosen binden, schwankt enorm. In Feldversuchen reicht die Spanne von unter 50 bis über 600 Kilogramm pro Hektar und Saison; die höchsten Werte erreicht reine Luzerne (Schmidt 2023). Boden, Wetter, Art und Dauer des Anbaus entscheiden mit.

Wichtig für deinen Garten ist eine zweite Frage: Was davon bleibt im Boden? Ein großer Teil des gebundenen Stickstoffs wandert in die Samen. Erntest du Erbsen oder Bohnen, trägst du ihn mit nach Hause. Auf dem Acker gleicht sich das bei Erbsen im Mittel ungefähr aus: Was die Pflanzen binden, verlässt mit der Ernte die Fläche wieder. Bei Ackerbohnen bleibt ein kleines Plus, bei reiner Luzerne, die nicht als Korn geerntet wird, ein deutliches (Schmidt 2023).

Daraus folgen zwei einfache Regeln:

  1. Bohnen und Erbsen fürs Gemüsebeet düngen sich selbst und hinterlassen Wurzeln und Laub. Das nimmt dem Boden nichts, bringt aber keinen großen Überschuss.
  2. Den größten Gewinn für den Boden bringen Leguminosen, die als Gründüngung komplett im Beet bleiben. Mehr dazu weiter unten.

Die Folgekultur merkt den Unterschied trotzdem. Auf dem Feld sparen Betriebe nach Ackerbohnen bis zu 100 Kilogramm Stickstoff pro Hektar ein, nach vier Jahren Kleegras bis zu 200 Kilogramm (Schmidt 2023).

Müssen Bohnen und Erbsen gedüngt werden?

Mit Stickstoff nicht. Er würde den Leguminosen sogar schaden: Finden die Pflanzen genug Stickstoff im Boden, bilden sie weniger Knöllchen und verlassen sich auf das Angebot. Du zahlst dann für etwas, das die Bakterien umsonst geliefert hätten.

Ein lockerer, belebter Boden hilft ihnen mehr als jeder Dünger. Rhizobien brauchen Luft im Boden und leiden unter Staunässe und Verdichtung. Eine dünne Schicht reifer Kompost vor der Saat ist in Ordnung. Er liefert vor allem Kalium, Phosphor und Spurenelemente, die auch Bohnen und Erbsen brauchen. Frischen Mist oder stickstoffreichen Flüssigdünger kannst du dir sparen, bei Busch- wie bei Stangenbohnen.

Drei Leguminosen fürs Gemüsebeet

Die folgenden drei Arten gelingen auch im ersten Gartenjahr. Sie werden direkt ins Beet gesät und lassen sich gut hacken, weil sie in Reihen oder Gruppen stehen.

Zuckererbse

Bei der Zuckererbse isst du die Hülse mit. Geerntet wird sie jung, solange die Erbsen darin erst wenige Millimeter groß sind; dann ist die Schote knackig und süß. Gesät wird zwischen Ende April und Ende Juni. Mehrere Sätze im Abstand von einigen Wochen verlängern die Ernte.

Zieh eine etwa drei Zentimeter tiefe Rille und leg die Erbsen im Abstand von etwa zwei Zentimetern hinein. Erde darüber, leicht andrücken, angießen. Beikraut rechts und links der Reihe entfernst du mit einer langstieligen Hacke, ohne dich zu bücken; zwischen den Pflanzen in der Reihe musst du nicht jäten. Ab etwa zehn Zentimetern Höhe brauchen die Erbsen eine Rankhilfe. Ein Maschendraht an dünnen Holzstäben lässt sich im Herbst aufrollen und platzsparend lagern. Verzweigte Äste vom Baumschnitt, in einer Reihe in die Erde gesteckt, tun es ebenso.

Sind die Schoten vier bis fünf Zentimeter lang, pflückst du sie und schneidest den Stielansatz ab. Kurz in Butter und Salz angebraten, bleiben sie knackig. Lass die letzten Schoten hängen, bis die Körner hart und die Hülsen trocken sind: Das ist dein Saatgut fürs nächste Jahr. Dunkel und trocken gelagert, hält es bis zum Frühjahr.

Passendes Saatgut: Zuckererbse „Norli“.

Buschbohne

Buschbohnen säst du in Gruppen, sobald der Boden warm ist; sie vertragen keinen Frost. Leg fünf Körner mit je zwei bis drei Zentimetern Abstand in einen Kreis und eines in die Mitte, etwa zwei Zentimeter tief. Mit dem Finger in die lockere Erde drücken und das Loch zustreichen genügt. Zwischen den Gruppen bleiben rund 30 Zentimeter Platz.

Geerntet wird, wenn die Bohnen etwa zehn Zentimeter lang, rund und prall sind. Weil nicht alle Schoten gleichzeitig reifen, pflückst du rund zwei Wochen lang alle paar Tage. Wer länger frische Bohnen möchte, sät mehrere Sätze. Ein einfaches Gericht: Bohnen halbieren und mit Olivenöl, Tomaten und Knoblauch in einem schweren Topf eine halbe bis dreiviertel Stunde schmoren, nach Belieben mit gewürfelten Kartoffeln. Auch hier kannst du einige Schoten ausreifen lassen und die Körner kühl und trocken als Saatgut aufheben.

Rohe grüne Bohnen enthalten den Eiweißstoff Phasin und sind unverträglich. Koch sie immer gut durch.

Passendes Saatgut: Buschbohne „La Victoire“.

Dicke Bohne

Die Dicke Bohne, auch Puffbohne oder Saubohne genannt, ist botanisch dieselbe Art wie die Ackerbohne (Vicia faba). Sie mag es kühl und verträgt Frost bis etwa minus fünf Grad (Bürling 2015). Deshalb kommt sie früh in die Erde, ab Ende Februar bis Anfang April. Aus späteren Aussaaten im Mai erntest du die Bohnen frisch und grün.

Zieh eine drei bis vier Zentimeter tiefe Rinne, leg die Bohnen im Abstand von fünf Zentimetern hinein, streich die Rinne zu, drück die Erde an und gieß. Zwischen den Reihen hältst du das Beikraut mit der Hacke im Zaum. Geerntet wird, wenn die Kerne 1,5 bis zwei Zentimeter breit sind. Aus der Hülse lösen, kurz mit heißem Wasser überbrühen, dann lässt sich die Haut leicht abziehen. Die Kerne schmecken gedünstet als Gemüse oder in einem kräftig gewürzten Schmortopf mit Tomaten.

Gründüngung mit Leguminosen

Bei der Gründüngung säst du Pflanzen, die am Ende komplett im Beet bleiben. Sie wachsen auf Flächen, die sonst brachliegen würden, und bleiben am Ende als organische Masse im Beet. Stehen sie zwischen zwei Hauptkulturen, heißen sie in der Landwirtschaft Zwischenfrucht.

Eine Pflanzendecke schützt den Boden vor Austrocknung und davor, dass Wind und Starkregen ihn abtragen. Ihre Wurzeln lockern die Erde und geben Stoffe ab, von denen Mikroorganismen und Bodentiere leben. Stickstoff, den die Vorkultur übrig gelassen hat, nehmen die Pflanzen auf, statt dass er mit dem Winterregen ins Grundwasser sickert. Und Leguminosen in der Mischung bringen zusätzlich Stickstoff aus der Luft ins System.

Wann du säst

Im Garten gibt es zwei günstige Zeitpunkte. Nach der Ernte früher Kulturen, also etwa nach Frühkartoffeln, Erbsen oder Salat, säst du im Spätsommer. Bis etwa Mitte September keimen die meisten Gründüngungspflanzen noch zuverlässig, je nach Region und Witterung auch zwei, drei Wochen länger. Die Pflanzen bedecken den Boden über den Winter; frostempfindliche Arten frieren ab und bilden eine Mulchschicht. Für späte Aussaaten eignen sich winterharte Arten.

Die zweite Möglichkeit ist eine Untersaat im Frühsommer. Unter Kürbis oder Zuckermais gesät, wächst die Gründüngung im Schatten der Hauptkultur heran und übernimmt nach deren Ernte das Beet.

Welche Pflanzen sich eignen

Pflanze Familie Stärken Beachte
Phacelia (Bienenfreund) Raublattgewächse wächst schnell, deckt dicht, blüht lange für Bienen Dunkelkeimer, ein bis zwei Zentimeter tief säen; friert im Winter ab (BayWa)
Senf Kreuzblütler keimt und wächst sehr schnell mit Kohl verwandt, nicht vor Kohl, Rettich und Radieschen säen
Buchweizen Knöterichgewächse viel Masse, kommt mit armen Böden zurecht frostempfindlich, nur zwischen Mai und Mitte August säen (TFZ 2007)
Inkarnatklee Leguminose bindet Stickstoff, blüht leuchtend rot einjährig
Rot- und Weißklee Leguminose bindet Stickstoff, bleibt mehrere Jahre stehen für Flächen, die länger ruhen dürfen
Winterwicke Leguminose winterhart, bindet Stickstoff wird gern mit Roggen gemischt, an dem sie hochrankt
Lupine Leguminose wurzelt tief und lockert verdichtete Schichten mag keinen kalkreichen Boden

Phacelia verdient einen zweiten Blick: Sie ist mit keiner verbreiteten Gemüseart verwandt und passt deshalb in fast jede Fruchtfolge (BayWa). Senf dagegen gehört zu den Kreuzblütlern und kann Kohlkrankheiten wie die Kohlhernie weitertragen.

Am robustesten sind Mischungen. Eine Leguminose für den Stickstoff, dazu eine schnell deckende Art wie Phacelia und gern ein Tiefwurzler: So ergänzen sich die Pflanzen, und fällt eine Art aus, springen die anderen ein.

So säst du Gründüngung

Lockere die Oberfläche mit Grubber oder Rechen, bis sie feinkrümelig ist, und feuchte sie leicht an. Streu die Samen breitwürfig aus und arbeite sie flach ein. Für die Menge hilft der Blick auf die Tüte. Zur Orientierung: Phacelia wird auf dem Feld mit zehn bis zwölf Kilogramm pro Hektar gesät (BayWa), das sind umgerechnet gut ein Gramm pro Quadratmeter. Halte das Beet feucht, bis die Saat aufgelaufen ist.

Was im Frühjahr passiert

Umgraben musst du die Gründüngung nicht. Mäh oder schneide die Pflanzen im Frühjahr ab und lass sie als Mulch liegen, oder deck sie mit einer Schicht Kompost ab, wie beim No-Dig-Beet. Abgefrorene Phacelia oder Buchweizen liegen dann schon als Decke auf dem Beet. Die Wurzeln verrotten im Boden und hinterlassen feine Gänge für Wasser und Luft.

Plane zwischen Abschneiden und Aussaat der nächsten Kultur ein paar Wochen ein. Während das Bodenleben das frische Grün zersetzt, braucht es selbst Stickstoff; Jungpflanzen, die zu früh folgen, können in dieser Zeit blasser bleiben. Setzt du Jungpflanzen durch die Mulchschicht, hast du dieses Problem kaum.

Leguminosen in Fruchtfolge und Mischkultur

In der Fruchtfolge stehen Leguminosen gern nach Starkzehrern wie Kohl, Tomaten oder Kürbis. Sie kommen mit wenig aus und hinterlassen ein Beet, auf dem im Jahr darauf wieder anspruchsvollere Kulturen wachsen.

Mit sich selbst vertragen sich Leguminosen schlecht. Stehen sie zu oft auf derselben Fläche, reichern sich Krankheitserreger an, und die Pflanzen kümmern. Diese Leguminosenmüdigkeit ist vor allem bei Erbsen bekannt. Auf dem Acker gelten für Erbsen mindestens fünf Jahre Anbaupause, für Ackerbohnen mindestens vier (Bürling 2015). Im Garten heißt das: Erbsen möglichst nicht jedes Jahr ins selbe Beet, und Klee als Gründüngung zählt beim Wechsel mit.

In der Mischkultur gelten Buschbohnen mit Bohnenkraut, Gurken, Kohl, Salat oder Tomaten als gute Nachbarn. Erbsen und Bohnen dagegen setzen die gängigen Mischkulturtabellen nicht nebeneinander, ebenso wenig Bohnen neben Zwiebeln, Knoblauch oder Lauch. Die ganze Übersicht findest du im Artikel Mischkultur und Fruchtfolge.

Häufige Fragen

Welche Pflanzen verbessern den Boden?

Leguminosen wie Klee, Wicke, Lupine und Luzerne binden Stickstoff aus der Luft. Phacelia, Buchweizen und Senf bedecken den Boden schnell, füttern das Bodenleben und schützen vor Auswaschung. Am meisten erreichst du mit einer Mischung aus beiden Gruppen, die als Gründüngung im Beet bleibt.

Wie bekomme ich Stickstoff in den Boden, ohne zu düngen?

Mit Leguminosen als Gründüngung, die du im Frühjahr abschneidest und als Mulch im Beet lässt. Kompost bringt zusätzlich organisch gebundenen Stickstoff mit, der langsam frei wird. Beides zusammen ersetzt im Hausgarten meist jeden Stickstoffdünger.

Brauchen Stangenbohnen mehr Dünger als Buschbohnen?

Beide versorgen sich über ihre Knöllchen selbst mit Stickstoff. Stangenbohnen stehen länger und tragen mehr, deshalb freuen sie sich über ein Beet mit etwas reifem Kompost. Stickstoffdünger brauchen sie nicht.

Kann ich Erbsen und Bohnen zusammen pflanzen?

Die gängigen Mischkulturtabellen raten davon ab. Setz sie lieber in getrennte Reihen oder Beete und kombinier Bohnen mit Bohnenkraut, Salat oder Gurken.

Warum hat meine Bohne keine Knöllchen?

Häufige Gründe sind ein kalter, verdichteter oder nasser Boden oder zu viel Stickstoff im Beet. Bei Sojabohnen fehlen meist die passenden Bakterien. Grab zur Kontrolle eine Pflanze einige Wochen nach dem Auflaufen aus; ganz junge Keimlinge haben oft noch keine Knöllchen.

Quellen

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Geschrieben von Rankwerk