Im Amazonasgebiet gibt es Böden, die schwarz sind wie Kaffeesatz und seit Jahrhunderten fruchtbar bleiben, obwohl der Boden ringsum arm und rötlich ist. Brasilianische Bauern nennen sie Terra Preta, „schwarze Erde“. Ihr Geheimnis ist zu einem guten Teil Holzkohle, die Menschen vor langer Zeit zusammen mit Küchenabfällen, Asche und Dung in die Erde gebracht haben. Heute mischen Gartenbegeisterte Pflanzenkohle mit Kompost, um diesen Effekt im eigenen Beet nachzubauen.
Was ist Terra Preta?
Terra Preta (portugiesisch für „schwarze Erde“) bezeichnet zweierlei. Zum einen die historischen Böden im Amazonasbecken, die Fachleute auch Amazonian Dark Earths oder Terra Preta de Índio nennen. Zum anderen den modernen Nachbau: ein Substrat aus Pflanzenkohle, Kompost oder Mist und weiteren organischen Resten, das gemeinsam gereift ist und als Bodenverbesserer ins Beet kommt.
Beiden gemeinsam ist die Kohle. Sie gibt der Erde die dunkle Farbe und macht sie zu einem Speicher für Wasser und Nährstoffe. Ihr Kohlenstoff ist so stabil, dass er im Boden über Jahrhunderte bis Jahrtausende erhalten bleibt (Lehmann 2009).
Wer heute „Terra Preta“ auf einem Sack liest, kauft also eine Mischung nach dem Vorbild der Amazonasböden. Die Zusammensetzung unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller.
Herkunft: die Schwarzerden Amazoniens
Terra-Preta-Böden kommen in weiten Teilen des Amazonasbeckens vor, besonders häufig im zentralen Amazonien zwischen Manaus und Santarém. Wissenschaftlich beschrieben hat sie zuerst der Geologe Charles F. Hartt im Jahr 1874; gründlich erforscht werden sie erst seit der Mitte des 20. Jahrhunderts (Lehmann 2009).
Dass Menschen diese Böden geschaffen haben, gilt heute als gesichert. Darauf deuten Tonscherben, die hohen Gehalte an Holzkohle und Phosphor sowie die Tonminerale, die denen der umliegenden Böden gleichen. Die Kohlestücke sind nach Radiokarbon-Datierungen einige hundert bis einige tausend Jahre alt. Entstanden sind die Schwarzerden vor der Ankunft der Europäer, nach 1541 kaum noch (Lehmann 2009). Ob die Menschen sie gezielt als Ackerboden angelegt haben oder ob sie als Nebenprodukt der Siedlungen entstanden sind, ist bis heute nicht endgültig geklärt.
Die Zutaten lassen sich rekonstruieren. In die nährstoffarmen Böden gelangten Asche, Küchenabfälle, Fäkalien und andere Biomassereste zusammen mit Verkohlungsrückständen aus Herdstellen. Über Jahrhunderte haben Bodenorganismen daraus humusreiche Schwarzerden gemacht, die Nährstoffe und Feuchtigkeit gut speichern (Glaser/Universität Halle 2025). Fischabfälle und Knochen erklären die hohen Gehalte an Phosphor und Calcium; Magnesium, Zink und Kupfer sind ebenfalls angereichert (Lehmann 2009).
Beeindruckend ist die Tiefe. In einer Auswertung von rund 190 Bodenprofilen reichte die dunkle, humose Oberschicht bei mehr als der Hälfte 20 bis 60 Zentimeter tief, während sie in benachbarten Waldböden nur zehn bis 15 Zentimeter misst. Stellenweise ist die Erde bis in mehr als zwei Meter Tiefe dunkel gefärbt. Die meisten Fundstellen sind kleiner als zwei Hektar; unter der Stadt Santarém erstrecken sich die Schwarzerden über mehrere hundert Hektar (Lehmann 2009).
Pflanzenkohle: was sie ist und wie sie entsteht
Pflanzenkohle, auf Englisch Biochar, ist ein poröses, kohlenstoffreiches Material. Es entsteht, wenn pflanzliche Biomasse unter weitgehendem Luftabschluss auf mindestens 400 Grad erhitzt wird. Diesen Vorgang nennen Fachleute Pyrolyse. Dabei entweichen Gase und Öle, die sich zur Energiegewinnung nutzen lassen; zurück bleibt die Kohle (BZL 2025). Industrielle Anlagen arbeiten meist zwischen 400 und 750 Grad (BZL 2023).
Wie viel Kohlenstoff in der Kohle steckt, hängt vom Ausgangsmaterial ab. Kohle aus Holz, Baum- und Strauchschnitt enthält 70 bis 90 Prozent Kohlenstoff, Kohle aus Stroh, Laub oder Getreidespelzen 40 bis 60 Prozent (BZL 2025). Rund die Hälfte des Kohlenstoffs, den die Pflanzen beim Wachsen aufgenommen haben, bleibt in der Kohle gebunden und im Boden über Jahrhunderte erhalten (BZL 2025).
Im Boden wirkt Pflanzenkohle über ihre enorme innere Oberfläche. Unzählige feine Poren nehmen Wasser und gelöste Nährstoffe auf und bieten Mikroorganismen Lebensraum. Deshalb gilt Pflanzenkohle als guter Wasser- und Nährstoffspeicher (BZL 2025). In den historischen Schwarzerden sorgt die Holzkohle für die hohe Fähigkeit, Nährstoffe zu binden und austauschbar zu halten (Lehmann 2009).
Grillkohle aus dem Supermarkt ist für den Garten ungeeignet. Du weißt nicht, woraus und wie sie hergestellt wurde und wie viele Schadstoffe sie enthält (NABU). Verwechsle Pflanzenkohle außerdem nicht mit Holzasche. Asche bleibt nach vollständiger Verbrennung übrig und enthält kaum noch Kohlenstoff.
Warum du Pflanzenkohle vor dem Einsatz aufladen musst
Frische Pflanzenkohle ist leer. Bringst du sie trocken und unbehandelt ins Beet, saugt sie Wasser und gelöste Nährstoffe aus dem Boden auf und hält sie fest. Die Pflanzen gehen dann zunächst leer aus und wachsen schlechter (Schmidt 2011; BZL 2025). Nach Einschätzung des Ithaka-Instituts gilt das besonders für Böden gemäßigter Breiten, die bereits mehr als etwa 1,5 Prozent organische Substanz enthalten, wozu viele Gartenböden zählen (Schmidt 2012).
Beim Aufladen, oft auch Aktivieren oder Beimpfen genannt, sättigst du die Kohle vorab mit Nährstoffen und lässt Mikroorganismen einziehen. Am besten gelingt das, wenn die Kohle mitkompostiert wird (Schmidt 2012). Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Topfversuch eines Teams um die Forscherin Claudia Kammann mit sandigem Boden. Zwei Prozent unbehandelte Pflanzenkohle drückten die Biomasse der Pflanzen auf 60 Prozent der Kontrolle. Die gleiche Menge mitkompostierter Kohle steigerte sie um bis zu 305 Prozent. Die kompostierte Kohle hatte Nitrat in ihren Poren eingelagert, das vor Auswaschung geschützt und zum Teil pflanzenverfügbar war (Kammann et al. 2015). Ein Topfversuch auf Sandboden lässt sich nicht eins zu eins auf dein Beet übertragen; die Richtung ist trotzdem eindeutig.
Info: Aufladen oder Beimpfen? Beide Begriffe meinen denselben Schritt. „Aufladen“ betont die Nährstoffe, „Beimpfen“ die Mikroorganismen, die sich in den Poren ansiedeln. Im Kompost passiert beides gleichzeitig.
Was die Forschung zu Terra Preta und Pflanzenkohle sagt
Um Terra Preta ranken sich große Versprechen, von Rekordernten bis zur Rettung des Klimas. Die Forschung zeichnet ein nüchterneres Bild. Es lohnt sich, genauer hinzusehen, bevor du Geld ausgibst.
Ertrag in den Tropen und in Mitteleuropa
Eine viel zitierte Metaanalyse hat Feldversuche aus aller Welt ausgewertet. In den Tropen steigerte Pflanzenkohle den Ertrag im Mittel um 25 Prozent, vor allem weil sie saure, nährstoffarme Böden kalkt und mit Nährstoffen anreichert. In gemäßigten Breiten fand die Studie im Durchschnitt keinen Effekt auf den Ertrag. Die Böden dort sind weniger sauer, fruchtbarer und werden gedüngt, sodass wenig Spielraum bleibt (Jeffery et al. 2017).
Deutsche Feldversuche bestätigen das. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hat Biokohle von 2013 bis 2017 an drei Standorten geprüft und keine systematische Ertragssteigerung gefunden. Selbst im Trockenjahr 2015 rettete die Kohle die Erträge nicht über eine bessere Wasserspeicherung (LfL). Eine Auswertung der Schweizer Forschungsanstalt Agroscope von 2021 fand positive Effekte, wenn die Kohle vorher mit Nährstoffen aufgeladen war; Fachleute in Deutschland sehen wegen der guten Böden hierzulande dennoch ein geringeres Potenzial (BZL 2023).
Wo Pflanzenkohle am ehesten hilft
Deutlich wirkt Pflanzenkohle vor allem auf leichten, sandigen und humusarmen Böden. Dort übernimmt sie einen Teil der Aufgaben von Humus, vor allem die Wasserspeicherung (NABU; LfL). Auf lehmigen und tonigen Böden, die von Natur aus viel Wasser halten, sind kaum Vorteile zu erwarten (LfL). In Versuchen der Freien Universität Berlin wuchsen die meisten Pflanzen auf Kompost mit Kohle besser als auf Kompost ohne; nicht alle Arten profitierten gleich, und nicht jede zeigte im ersten Jahr mehr Ertrag (NABU).
Hast du einen sandigen Boden, der ständig austrocknet, kann aufgeladene Pflanzenkohle im Kompost einen Unterschied machen. Auf einem guten, humosen Lehmboden bringt dir reifer Kompost allein fast dasselbe.
Wie stabil die Kohle im Boden ist
Das Thünen-Institut hat von 2010 bis 2015 untersucht, wie sich verschiedene Kohlen im Boden verhalten. Kohle aus Pyrolyse blieb über 19 Monate im Feld stabil. Hydrokohle, die bei niedrigen Temperaturen im nassen Verfahren entsteht, hatte nach dieser Zeit rund drei Viertel ihres Kohlenstoffs verloren. Beide Kohlearten erhöhten das pflanzenverfügbare Wasser im Boden. Nährstoffe hielt nur die Pyrolysekohle zurück, und nach sieben Monaten im Feld hatten die Kohlen 60 bis 80 Prozent ihrer Bindungsfähigkeit eingebüßt (Thünen-Institut). Die LfL beobachtete in ihren Versuchen einen relativ schnellen Abbau der eingesetzten Biokohle (LfL).
Pflanzenkohle und Klima
Weil Pflanzenkohle einen Teil des Kohlenstoffs aus Pflanzen langfristig bindet, gilt sie als Möglichkeit, der Atmosphäre CO₂ zu entziehen (BZL 2025). Wie viel das im Einzelfall bringt, hängt von Herstellung und Transport ab. Das Umweltbundesamt hat Chancen und Risiken der Biokohle ausgewertet und nennt neben den möglichen Vorteilen Schadstoffgehalte, ungünstige Effekte auf Boden und Pflanze, wirtschaftliche Risiken und die Gesamtökobilanz als offene Punkte (UBA 2016). Im Hausgarten geht es um wenige Liter, der Klimaeffekt ist entsprechend klein.
Risiken: Schadstoffe in schlechter Kohle
Beim Verkohlen entstehen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), von denen einige krebserregend sind. Kühlt die Kohle ab, solange noch Pyrolysegas um sie herum ist, lagern sich PAK in ihren Poren ab. Gut geführte Anlagen trennen Kohle und Gas bei hoher Temperatur und vermeiden das (EBC 2023). Je nach Ausgangsstoff können zusätzlich PCB, Dioxine und Furane entstehen, vor allem bei chlorhaltiger Biomasse (LfL). Deshalb kommt es beim Kauf auf geprüfte Qualität an.
Terra Preta selbst herstellen
Für den Garten brauchst du keine Jahrhunderte. Das Prinzip lässt sich im Kompost nachbauen. Pflanzenkohle kommt mit organischem Material zusammen und reift mit ihm, bis sie voller Nährstoffe und Leben ist. Das Ergebnis ist eine dunkle, krümelige Erde, die du wie Kompost verwendest.
Was du brauchst
| Zutat | Wofür | Hinweis |
|---|---|---|
| Pflanzenkohle | Speicher für Wasser und Nährstoffe | zertifizierte Kohle kaufen, keine Grillkohle |
| Kompostmaterial oder reifer Kompost | Nährstoffe und Mikroorganismen | Küchen- und Gartenabfälle, Grasschnitt, Laub |
| Mist, sofern verfügbar | viel Stickstoff | Pferde- oder Kaninchenmist, gut mit Kohle mischen |
| etwas Gesteinsmehl | Mineralstoffe | rund ein Prozent der Menge genügt (Schmidt 2011) |
| Wasser | damit sich die Nährstoffe lösen | Mischung feucht halten, nicht nass |
So lädst du Pflanzenkohle im Kompost auf
Das Ithaka-Institut, das auch das Europäische Pflanzenkohle-Zertifikat entwickelt hat, beschreibt zwei einfache Wege (Schmidt 2011).
- Beim Aufsetzen des Komposts: Gib der frischen Biomasse etwa zehn Prozent Pflanzenkohle bei. An anderer Stelle nennt das Institut zehn bis 30 Prozent (Schmidt 2012). Mische die Kohle gleichmäßig unter, damit sie überall mit feuchtem, zerfallendem Material in Kontakt kommt.
- Mit fertigem Kompost: Mische Pflanzenkohle und reifen Kompost etwa im Verhältnis eins zu eins nach Volumen. Durchfeuchte die Mischung gut und setz sie in den folgenden zwei Wochen mindestens zweimal um.
Wichtig für beide Wege ist genug Stickstoff. Das Verhältnis von Kohlenstoff zu Stickstoff im Ausgangsmaterial sollte zwischen 25 und 35 liegen, sonst fehlt den Mikroorganismen der Stickstoff (Schmidt 2011). Gib deshalb zu Laub und Holzhäcksel immer ausreichend grünes, frisches Material oder Mist. Die Mindestdauer liegt bei rund 14 Tagen (Schmidt 2011); im normalen Gartenkompost reift die Kohle einfach so lange mit wie der Kompost selbst. Die Niedersächsische Gartenakademie rechnet bei zweimaligem Umsetzen mit gebrauchsfähigem Kompost nach etwa sechs Monaten (Krause/LWK Niedersachsen).
Hast du Mist zur Verfügung, geht es schneller. Schichte Kohle und Mist im Verhältnis von etwa vier zu eins, zum Beispiel fünf Zentimeter Kohle auf drei Zentimeter Mist, halte alles gut feucht und misch es rund 14 Tage lang alle drei Tage durch (Schmidt 2011).
Info: Pflanzenkohle im Bokashi aufladen. Pflanzenkohle lässt sich in einem Bokashi mitfermentieren, also in einer luftdicht verschlossenen Milchsäuregärung aus Grünmaterial oder Mist. Das Ithaka-Institut gibt dafür rund zehn Prozent Kohle zur Masse und lässt das Ganze zwei bis drei Wochen gären (Schmidt 2011). Danach braucht die Mischung noch Zeit im Boden oder im Kompost, bis sich das Bodenleben in der Kohle eingerichtet hat.
Pflanzenkohle selbst brennen?
Pflanzenkohle lässt sich mit einfachen Mitteln herstellen, etwa in einem offenen Kegel wie dem Kon-Tiki, den das Ithaka-Institut entwickelt hat. Richtig betrieben entsteht darin Kohle mit geringen PAK-Gehalten (EBC 2023). Falsch geführt, bei zu viel Rauch und zu wenig Hitze, entsteht Kohle mit hohen Schadstoffgehalten, deren Qualität du ohne Labor nicht prüfen kannst. Für ein Hausgartenbeet ist zugekaufte, zertifizierte Kohle meist die sicherere Wahl. Informiere dich außerdem bei deiner Gemeinde, ob offene Feuer im Garten überhaupt erlaubt sind.
Wie viel Terra Preta ins Beet und in den Topf?
Selbst gemachte Terra Preta verwendest du im Garten ähnlich wie Kompost. Die Bayerische Gartenakademie nennt für Kompost als Faustzahl drei Liter pro Quadratmeter und Jahr; bei Starkzehrern wie Tomaten oder Kohl ist die doppelte Menge vertretbar, im Folgejahr folgt dann keine Gabe (LWG 2022). Diese Werte sind ein guter Rahmen, denn Terra Preta enthält neben der Kohle viel Kompost und damit Nährstoffe.
| Einsatz | Richtwert | Quelle |
|---|---|---|
| Gemüsebeet | etwa drei Liter pro Quadratmeter oberflächlich einarbeiten | LWG 2022 (Kompost) |
| Beet mit Starkzehrern | bis sechs Liter pro Quadratmeter, im Folgejahr aussetzen | LWG 2022 (Kompost) |
| Neupflanzung von Gehölzen oder Rasen | rund zehn Liter pro Quadratmeter einarbeiten | LWG 2022 (Kompost) |
| Balkonkasten und Kübel | höchstens 30 Prozent im Substrat | LWG 2022 (Kompost) |
| Pflanzenkohle im Kompost | zehn bis 30 Prozent der Biomasse | Schmidt 2012 |
Fertige Terra-Preta-Produkte haben eigene Dosierangaben, weil sich ihre Zusammensetzung unterscheidet. Für unsere Terra Preta empfehlen wir zehn bis 30 Prozent unter die Erde zu mischen, für einen Balkonkasten mit 15 Litern Erde also etwa 1,5 Liter.
Moorbeetpflanzen wie Rhododendron oder Heidelbeeren brauchen einen sauren Boden. Kompost hebt den pH-Wert an und ist dort fehl am Platz (LWG 2022); für säureliebende Pflanzen müsste die Kohle vorher angesäuert werden (NABU). Magere Standorte für Polsterstauden und mediterrane Kräuter lässt du ebenfalls ohne.
Den größten Nutzen hat Terra Preta dort, wo sie in einem lockeren, belebten Boden landet und nicht wieder gestört wird. Im No-Dig-Beet streust du sie mit dem Kompost oben auf, beim Mulchen kommt die Decke darüber. So arbeiten Regenwürmer und Bodenleben die Kohle nach und nach ein.
Terra Preta kaufen: worauf du achten solltest
Wer „Terra Preta kaufen“ oder „Terra Preta Erde kaufen“ sucht, findet eine große Spanne an Produkten, von reiner Pflanzenkohle bis zu fertigen Erden, in denen nur wenig Kohle steckt. Der NABU hält viele fertige Terra-Preta-Substrate für überteuert (NABU). Mit einem Blick auf die Packung trennst du gute von schwacher Ware.
- Achte zuerst auf ein Zertifikat für die Kohle. Das Europäische Pflanzenkohle-Zertifikat (European Biochar Certificate, EBC) gibt es seit 2012. Es legt Grenzwerte für Schwermetalle und PAK fest und regelt, aus welchen Ausgangsstoffen und wie die Kohle hergestellt werden darf. Für Hausgärten und Gemeinschaftsgärten empfiehlt das EBC selbst die Klassen „EBC-Agro“ oder „EBC-AgroBio“; Kohle der Klasse „EBC-Urban“ ist nicht für den Anbau von Lebensmitteln gedacht (EBC 2023). Auch der NABU rät zu Produkten, die den EBC-Anforderungen entsprechen (NABU).
- Prüfe, ob die Kohle schon aufgeladen ist. Reine Pflanzenkohle musst du vor dem Einsatz selbst aufladen. Fertige Terra Preta sollte auf der Packung ausweisen, dass die Kohle mitkompostiert oder fermentiert wurde und wie lange das Substrat gereift ist.
- Lies die Zusammensetzung. Seriöse Anbieter nennen alle Bestandteile, etwa Kompost, Wurmhumus, Gesteinsmehl und Pflanzenkohle. Fehlt die Kohle in der Liste, ist „Terra Preta“ nur ein Name auf dem Sack.
- Frag nach dem Ausgangsmaterial der Kohle. Kohle aus unbehandeltem Holz ist unproblematisch. In Deutschland ist als Ausgangsstoff für Düngeprodukte bisher nur Holzkohle aus chemisch unbehandeltem Holz mit mindestens 80 Prozent Kohlenstoff zugelassen (LfL; EBC 2023). Seit 2022 erlaubt die EU-Düngeprodukteverordnung zusätzlich Pyrolyse-Materialien für EU-weit gehandelte Düngeprodukte (BZL 2023).
- Verlass dich bei „Bio“ auf die Zutatenliste. Die Bezeichnung „Bio“ ist bei Erden nicht gesetzlich geschützt (oekolandbau.de 2025). Torf hat in einer Terra Preta nichts zu suchen.
Unsere Natürliche Pflanzenkohle ist reine Kohle zum Aufladen und Mischen. Unsere Terra Preta besteht aus Wurmkompost, Urgesteinsmehl und aufgeladener Pflanzenkohle, die monatelang gereift ist, und kommt ohne Torf aus. Wenn du lieber selbst mischst, passt der Artikel über gute Erde als Ergänzung.
Häufige Fragen
Ist Terra Preta ein Dünger?
Pflanzenkohle selbst ist kein Dünger. Fertige Terra Preta enthält über Kompost und Wurmhumus Nährstoffe und wirkt deshalb ähnlich wie Kompost. Starkzehrer wie Tomaten oder Kürbis brauchen darüber hinaus meist etwas Stickstoff, etwa aus Hornspänen, genau wie nach einer Kompostgabe (LWG 2022).
Wie lange hält die Wirkung von Terra Preta?
Die Kohle selbst bleibt lange im Boden; wie lange, hängt von der Kohleart ab. Pyrolysekohle blieb in einem Feldversuch des Thünen-Instituts über 19 Monate stabil (Thünen-Institut), in den historischen Schwarzerden ist die Kohle hunderte bis tausende Jahre alt (Lehmann 2009). Ihre Fähigkeit, Nährstoffe zu binden, lässt nach einigen Monaten deutlich nach (Thünen-Institut). Regelmäßig Kompost nachzulegen, bleibt deshalb sinnvoll.
Kann ich einfach Holzkohle vom Grillen nehmen?
Besser nicht. Bei Grillkohle kennst du weder die Herstellung noch die Schadstoffgehalte (NABU). Nimm zertifizierte Pflanzenkohle.
Wirkt Terra Preta in jedem Boden?
Am deutlichsten auf sandigen, humusarmen Böden, die schlecht Wasser halten. In fruchtbaren Lehmböden ist der Effekt klein (LfL; NABU). Dort ist Terra Preta eine Variante von gutem Kompost.
Kann ich Pflanzenkohle direkt ins Pflanzloch geben?
Nur aufgeladen. Unbehandelte Kohle bindet in den ersten Wochen Nährstoffe und Wasser, die der Jungpflanze fehlen (Schmidt 2011). Aufgeladene Kohle mischst du mit der Erde und lässt zwischen ihr und den jungen Wurzeln etwas Abstand.
Quellen
- Lehmann, Johannes: Terra Preta de Indio. In: Encyclopedia of Soil Science, 2. Auflage, Taylor & Francis, 2009. Cornell University. https://www.css.cornell.edu/faculty/lehmann/publ/Lehmann%202009%20Terra%20Preta,%20in%20Encyclopedia%20of%20Soil%20Science.pdf
- Glaser, Bruno (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Bodenbiogeochemie): Die Geschichte der Terra Preta. Aktualisiert 26.11.2025. https://www.landw.uni-halle.de/professuren_arbeitsgruppen/bodenbiogeochemie/forschung/191384_3257612/
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Welches Potenzial hat Pflanzenkohle für Landwirtschaft und Klima? landwirtschaft.de, aktualisiert 03.07.2025. https://www.landwirtschaft.de/umwelt/klimawandel/rolle-der-landwirtschaft/welches-potenzial-hat-pflanzenkohle-fuer-landwirtschaft-und-klima
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Pflanzenkohle hilft Klima und Boden. praxis-agrar.de, 07.07.2023. https://www.praxis-agrar.de/pflanze/ackerbau/pflanzenkohle
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Pflanzenkohle/Biokohle im Ackerbau. https://www.lfl.bayern.de/iab/boden/266039/index.php
- Thünen-Institut für Agrarklimaschutz: Pflanzenkohle in der Landwirtschaft. Projekt 2010 bis 2015. https://www.thuenen.de/de/fachinstitute/agrarklimaschutz/projekte/pflanzenkohle-in-der-landwirtschaft
- Umweltbundesamt (UBA): Kann Biokohle den Boden verbessern? 20.01.2016, mit Verweis auf UBA-Texte 04/2016 Chancen und Risiken des Einsatzes von Biokohle und anderer „veränderter“ Biomasse als Bodenhilfsstoffe oder für die C-Sequestrierung in Böden. https://www.umweltbundesamt.de/themen/kann-biokohle-den-boden-verbessern
- Jeffery, Simon; Abalos, Diego; Prodana, Marija; Bastos, Ana Catarina; van Groenigen, Jan Willem; Hungate, Bruce A.; Verheijen, Frank: Biochar boosts tropical but not temperate crop yields. Environmental Research Letters 12, 2017. Eintrag Wageningen University & Research: https://research.wur.nl/en/publications/biochar-boosts-tropical-but-not-temperate-crop-yields/
- Kammann, Claudia I. et al.: Plant growth improvement mediated by nitrate capture in co-composted biochar. Scientific Reports 5, 2015. https://www.nature.com/articles/srep11080
- Marr, Ann-Kathrin: Schwarze Wundererde Terra Preta? NABU. https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/trends-service/trends/20401.html
- European Biochar Certificate (EBC): Richtlinien für die Zertifizierung von Pflanzenkohle. Version 10.3G, 05.04.2023. Ithaka Institute / Carbon Standards International. https://www.european-biochar.org/media/doc/2/version_de_10_3.pdf
- Schmidt, Hans-Peter: Wege zu Terra Preta: Aktivierung von Pflanzenkohle. Ithaka-Journal, 19.03.2011, aktualisiert 16.07.2024. https://www.ithaka-journal.net/de/ct/123-wege-zu-terra-preta-aktivierung-von-pflanzenkohle
- Schmidt, Hans-Peter: 55 Anwendungen von Pflanzenkohle. Ithaka-Journal, 29.12.2012. https://ithaka-journal.net/de/ct/143-55-anwendungen-von-pflanzenkohle
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG), Bayerische Gartenakademie: Kompostverwendung im Garten. Infoschrift 1204, Stand Juli 2022. https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/gartenakademie/dateien/1204_info_bf.pdf
- Krause, Nadja (Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Niedersächsische Gartenakademie): So gelingt der Kompost. https://www.lwk-niedersachsen.de/gartenakademie/news/19243_So_gelingt_der_Kompost
- oekolandbau.de (BZL): Bio-Erde erkennen und nutzen. Aktualisiert 16.04.2025. https://www.oekolandbau.de/bio-im-alltag/bio-im-garten/bio-erde-erkennen-und-nutzen/