Die Kartoffel ist das Grundnahrungsmittel, das du am einfachsten selbst anbauen kannst. Sie gedeiht auf fast allen Gartenböden, nur schwere, zu Staunässe neigende Böden mag sie nicht (Morgenstern o. J.). Aus wenigen Kilo Pflanzkartoffeln wird im Spätsommer eine Kiste voll Knollen, die im kühlen Keller bis weit in den Winter reicht. Dazwischen liegen ein paar Handgriffe: vorkeimen, legen, häufeln, ernten. Wer sie kennt, hat mit Kartoffeln eine der dankbarsten Kulturen im Gemüsegarten. Und am Ende steht eine Pfanne Bratkartoffeln aus eigener Ernte.
Pflanzkartoffeln auswählen
Für den Anbau brauchst du Pflanzkartoffeln, also Knollen, die eigens für die Vermehrung erzeugt wurden. Zertifiziertes Pflanzgut ist sortenecht und gesund; Speisekartoffeln aus dem Supermarkt eignen sich dafür schlecht (Sächsischer Kartoffelverband 2021). Sie können Krankheiten mitbringen, und du weißt nicht, welche Sorte du legst. Pflanzkartoffeln bekommst du im Gartenfachhandel.
Für zehn Quadratmeter Beet reichen etwa zwei bis drei Kilogramm Pflanzkartoffeln (Sächsischer Kartoffelverband 2021). Das entspricht bei den üblichen Abständen rund vier Pflanzen pro Quadratmeter.
Kartoffeln vorkeimen
Kartoffeln, die im Keller schon Keime getrieben haben, sind kein Grund zum Ärgern. Die Keime wachsen in der Erde weiter und geben der Pflanze einen Vorsprung. Du kannst diesen Effekt gezielt nutzen und die Knollen vorkeimen. Dafür legst du sie einige Wochen vor dem Pflanzen in Eierkartons oder flache Kisten und stellst sie an einen hellen Platz ohne pralle Sonne (Bayerische Gartenakademie 2025).
Zu warm sollte es dabei nicht sein. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt etwa zwölf Grad und einen Beginn vier bis acht Wochen vor dem Pflanzen, also ab Februar (Morgenstern o. J.). Der Sächsische Kartoffelverband empfiehlt zehn bis 15 Grad ab Anfang März (Sächsischer Kartoffelverband 2021), die Bayerische Gartenakademie gibt 15 bis 20 Grad an (Bayerische Gartenakademie 2025). Ein heller, eher kühler Raum wie ein ungeheiztes Gästezimmer, ein Treppenhaus oder ein frostfreies Gewächshaus liegt gut in dieser Spanne.
Ziel sind kräftige, kompakte Keime von etwa ein bis zwei Zentimetern Länge (Morgenstern o. J.; Sächsischer Kartoffelverband 2021). Lange, bleiche Triebe, wie sie im dunklen Keller entstehen, brechen beim Pflanzen leicht ab. Vorgekeimte Kartoffeln haben einen Wachstumsvorsprung von etwa acht bis 14 Tagen (Sächsischer Kartoffelverband 2021) und lassen sich früher ernten. Zudem sind die Knollen weiter entwickelt, bevor im Sommer die Kraut- und Knollenfäule auftritt (BLE 2025a).
Wann du Kartoffeln pflanzt
Gepflanzt wird, sobald der Boden etwa acht Grad warm ist, meist zwischen Mitte April und Anfang Mai (Morgenstern o. J.). Unter Folie oder Vlies geht es früher. Die Kartoffel ist frostempfindlich (LfL 2014). Schauen die ersten Triebe aus dem Boden und es droht noch eine kalte Nacht, schützt ein aufgelegtes Vlies das junge Laub vor Spätfrost (Bayerische Gartenakademie 2025). Mehr zu den typischen Kälterückfällen im Mai liest du im Artikel Was hat es mit den Eisheiligen auf sich?
Je nach Sorte reifen Kartoffeln unterschiedlich schnell. Die frühesten Sorten erntest du im Juni und Juli, frühe im Juli und August, mittelfrühe im August und September und späte Sorten im September und Oktober (Dorloff 2026c). Für den Wintervorrat eignen sich die mittelfrühen und späten Sorten, weil ihre Schale fester wird und sie länger lagern.
Kartoffeln pflanzen: Tiefe und Abstände
Vor dem Pflanzen arbeitest du reifen Kompost oder gut verrotteten Mist ein. Als Richtwert nennen die Fachstellen etwa drei Liter pro Quadratmeter (Morgenstern o. J.; Sächsischer Kartoffelverband 2021). Wie du guten Kompost aufsetzt, steht im Artikel Kompost, das sogenannte Gold des Gärtners.
Zieh mit der Hacke oder einem Sauzahn Rinnen von vier bis acht Zentimetern Tiefe (Sächsischer Kartoffelverband 2021). Leg die Knollen mit den Keimen nach oben hinein und zieh Erde darüber. In der Reihe bleiben zwischen den Knollen 30 bis 40 Zentimeter Platz, zwischen den Reihen etwa 70 Zentimeter (Morgenstern o. J.). Die Erde zwischen den Reihen brauchst du später zum Häufeln, und in einem luftigen Bestand trocknet das Laub nach Regen schneller ab. Im Feldanbau gelten mindestens 75 Zentimeter Reihenabstand als Vorbeugung gegen Krautfäule (BLE 2025a).
Für Gartenbegeisterte mit Rückenschmerzen gibt es eine alte Arbeitsteilung zu zweit. Eine Person geht mit einem kräftigen Besen- oder Schaufelstiel voraus und sticht für jede Kartoffel ein Loch in den gelockerten Boden. Die zweite Person folgt, lässt in jedes Loch eine Knolle fallen und schiebt mit dem Fuß Erde darüber.
Kartoffeln im Kübel
Auf dem Balkon wachsen Kartoffeln im Eimer oder Kübel (Sächsischer Kartoffelverband 2021). Fülle den Behälter zu etwa einem Drittel mit einer Mischung aus Kompost und Gartenerde oder mit Blumenerde, leg die vorgekeimten Knollen hinein und deck sie etwa zehn Zentimeter hoch mit Erde ab (Morgenstern o. J.). Wächst das Laub heran, füllst du nach und nach Erde nach, so wie beim Häufeln im Beet. Im Kübel trocknet die Erde schneller aus; gieß regelmäßig und sorg für ein Abzugsloch, damit kein Wasser steht. Welche Gefäße sich für Gemüse eignen, liest du im Artikel Die richtigen Pflanzgefäße für Gemüse und Kräuter.
Hacken und Häufeln
Kartoffeln kommen mit etwas Beikraut zurecht. Die jungen Pflanzen solltest du trotzdem nicht überwuchern lassen, und ein zugewachsenes Beet ist bei der Ernte mühsam. Deshalb lohnt es sich, um die kleinen Pflanzen herum regelmäßig zu hacken.
Häufeln bedeutet, dass du Erde aus der Mitte zwischen den Reihen mit der Hacke an die Pflanzen ziehst, bis ein Damm entsteht. Das Beikraut verschwindet dabei gleich mit. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz empfiehlt, die Reihen zunächst etwa handhoch anzuhäufeln und noch einmal nachzulegen, sobald sich die Blätter wieder auf dem Damm zeigen (Morgenstern o. J.). Der Sächsische Kartoffelverband rät zu zwei bis drei Durchgängen im Abstand von etwa zwei Wochen (Sächsischer Kartoffelverband 2021).
Der Damm hat mehrere Aufgaben. Er gibt den neuen Knollen lockere Erde, in der sie sich ausbreiten können, und er hält Licht von ihnen fern. Wachsen Kartoffeln aus dem Damm heraus und liegen in der Sonne, werden sie grün (LfL 2014). Voluminöse Dämme mit steilen Flanken schützen die Knollen zudem vor Sporen der Kraut- und Knollenfäule, die der Regen vom Laub in den Boden spült (BLE 2025a).
Gießen und Düngen
Am meisten Wasser brauchen Kartoffeln vom Austrieb bis etwa drei Wochen nach der Blüte (Sächsischer Kartoffelverband 2021). In dieser Zeit bilden sich die Knollen. Der Damm sollte in trockenen Wochen nicht austrocknen, Staunässe vertragen die Pflanzen dagegen schlecht. Gieß lieber seltener und durchdringend, und zwar an den Fuß der Pflanzen. Nasses Laub begünstigt die Krautfäule, die Blattfeuchte zum Keimen braucht (LKSH o. J.). Eine Mulchschicht zwischen den Reihen hält die Feuchtigkeit im Boden; mehr dazu im Artikel Weniger gießen, mehr mulchen.
Mit dem Kompost vor dem Pflanzen ist der Nährstoffbedarf im Hausgarten meist gedeckt. Kartoffeln gelten in Mischkulturtabellen als Starkzehrer. Nach ihnen passen im folgenden Jahr genügsamere Kulturen, zum Beispiel Bohnen oder Erbsen. Wie Leguminosen den Boden danach wieder mit Stickstoff versorgen, erklärt der Artikel Leguminosen.
Grüne Kartoffeln und Solanin
Kartoffeln bilden zum Schutz vor Fraßfeinden Glykoalkaloide, zusammengefasst unter dem Namen Solanin. Hohe Gehalte stecken in allen oberirdischen Pflanzenteilen, in grünen Stellen, in der Schale und in den Augen der Knollen (LfL 2014). Die kirschgroßen grünen Beeren, die sich nach der Blüte bilden, sind ungenießbar (LfL 2014).
In den Knollen stecken die Stoffe größtenteils in der Schale, konzentriert in Keimen und Augen (BfR 2018b). Grünlich gefärbte Stellen deuten auf einen höheren Gehalt hin. Licht und Wärme fördern die Bildung, deshalb gehören Kartoffeln dunkel und kühl gelagert (BfR 2018b; Dorloff 2026a). Zu viel Solanin führt zu Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall, manchmal mit Fieber; schwere Vergiftungen sind selten (BfR 2018a). Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, dass Speisekartoffeln höchstens 100 Milligramm Glykoalkaloide pro Kilogramm enthalten (BfR 2018a).
In der Küche gilt deshalb (BfR 2018a; BfR 2018b; Dorloff 2026a):
- Grüne Stellen und Augen schneidest du großzügig weg.
- Stark grüne, alte, eingetrocknete oder kräftig keimende Knollen sortierst du aus.
- Schmeckt ein Kartoffelgericht bitter, isst du es nicht.
- Das Kochwasser verwendest du nicht weiter, weil ein Teil der Stoffe hineingeht.
- Kleine Kinder essen Kartoffeln besser geschält.
Im Garten beugst du vor, indem du ordentlich häufelst und die Ernte nicht lange in der Sonne liegen lässt.
Kraut- und Knollenfäule vorbeugen
Die Kraut- und Knollenfäule wird von Phytophthora infestans verursacht und zählt zu den Pilzkrankheiten (Vietmeier 2026). Im Garten tritt sie vor allem in nassen Jahren auf (Morgenstern o. J.). Auf den Blättern erscheinen zuerst gelblich grüne Flecken, die schnell dunkelbraun werden; bei Feuchtigkeit zeigt sich auf der Blattunterseite ein weißer, schimmelartiger Rasen (LKSH o. J.). Befallene Knollen haben unregelmäßige, bleigraue Flecken, darunter ist das Gewebe braun (LKSH o. J.).
Der Erreger braucht nasse Blätter. Bei feucht-warmem Wetter breitet er sich innerhalb weniger Tage aus, bei feucht-kühlem nach zwei bis drei Wochen (LKSH o. J.). Günstig für eine Infektion sind eine Luftfeuchte über 80 Prozent und Temperaturen um acht bis zwölf Grad; über 21 Grad kommt die Entwicklung zum Stillstand (BLE 2025a). Überwintern kann er in kranken Knollen, auch in solchen, die auf dem Kompost oder einem Abfallhaufen liegen (LKSH o. J.).
Vorbeugen kannst du im Hausgarten mit diesen Maßnahmen:
- Nimm nur gesundes Pflanzgut (LKSH o. J.).
- Keim die Knollen vor und pflanz zeitig, damit die Ernte weitgehend gebildet ist, bevor die Krankheit ausbricht (BLE 2025a).
- Halt Abstand zwischen den Reihen, damit das Laub abtrocknet (BLE 2025a).
- Häufle hohe Dämme, damit Sporen nicht bis zu den Knollen gespült werden (BLE 2025a).
- Entferne befallene Pflanzen sofort und entsorge sie über den Restmüll, nicht auf dem Kompost (LKSH o. J.).
- Lass Kartoffeln drei bis vier Jahre lang nicht auf dieselbe Fläche (LKSH o. J.); die Gartenakademie Rheinland-Pfalz nennt mindestens vier Jahre (Morgenstern o. J.).
- Pflanz Tomaten möglichst weit entfernt von Kartoffeln (Vietmeier 2026).
Tomaten befällt derselbe Erreger. Von Frühkartoffeln fliegen die Sporen auf die Tomaten und lösen dort die Kraut- und Braunfäule aus (Morgenstern o. J.). Wie du sie an Tomaten erkennst, liest du im Artikel Braunfäule an Tomaten.
Ist das Laub befallen, lohnt sich Geduld bei der Ernte. Im Ökolandbau gilt die Regel, frühestens zwei Wochen nach dem Absterben des Krauts zu roden (BLE 2025a). Bis dahin haben die Sporen an der Oberfläche ihre Infektionskraft weitgehend verloren, und die Knollen stecken sich beim Ausgraben seltener an.
Kartoffelkäfer erkennen und absammeln
Der Kartoffelkäfer ist etwa einen Zentimeter lang, gelb und trägt zehn dunkle Längsstreifen auf den Flügeldecken (BLE 2025b). Die erwachsenen Käfer überwintern im Boden und kommen heraus, wenn er sich auf etwa 15 Grad erwärmt hat (Verband Wohneigentum 2026). Die Weibchen legen orangegelbe Eier in Gelegen von 20 bis 80 Stück auf die Unterseite der Kartoffelblätter (Verband Wohneigentum 2026). Die Larven sind rotbraun bis gelb mit schwarzen Punktreihen an den Seiten (BLE 2025b). Sie fressen das Laub, bei starkem Befall bis zum Kahlfraß (BLE 2025b).
Im Garten hilft vor allem Aufmerksamkeit. Kontrollier die Pflanzen ab dem späten Frühjahr regelmäßig, dreh dabei die Blätter um und sammle Käfer, Eigelege und Larven ab (Morgenstern o. J.; Verband Wohneigentum 2026). Je früher du damit anfängst, desto weniger Larven wachsen heran. Ein Kulturschutznetz hält die Käfer von kleinen Beeten fern (Verband Wohneigentum 2026). Vorgekeimte, früh gepflanzte Kartoffeln sind weiter entwickelt, wenn die Larven fressen (BLE 2025b).
Kartoffeln in Fruchtfolge und Mischkultur
Kartoffeln gehören zu den Nachtschattengewächsen, genau wie Tomaten, Paprika und Auberginen. Plane das Kartoffelbeet deshalb im Wechsel mit anderen Gemüsefamilien und lass eine Pause von mindestens drei bis vier Jahren, bevor wieder Kartoffeln an dieselbe Stelle kommen (LKSH o. J.; Morgenstern o. J.). Wie du Beete über mehrere Jahre planst und welche Nachbarn sich vertragen, findest du im Artikel Mischkultur und Fruchtfolge.
Kartoffeln ernten
Frühkartoffeln kannst du ernten, sobald das Laub abzusterben beginnt; einzelne Knollen lassen sich vorsichtig aus dem Damm holen, bevor die ganze Pflanze reif ist (Morgenstern o. J.; Sächsischer Kartoffelverband 2021). Sie haben eine dünne, lose Schale und halten nur kurz (LfL 2014).
Lagerkartoffeln erntest du erst, wenn das Laub vollständig abgestorben und die Schale ausgereift ist (Morgenstern o. J.). Eine feste Schale erkennst du daran, dass sie sich mit dem Daumen nicht mehr abreiben lässt. Im Feldanbau vergehen zwischen dem Absterben des Laubs und der Schalenfestigkeit zwei bis fünf Wochen (LWK NRW 2026). Such dir für die Ernte einen trockenen Tag aus. Im Ökolandbau wird bei abgetrocknetem Boden und mindestens zehn Grad Bodentemperatur gerodet, weil die Knollen dann weniger Schäden bekommen (BLE 2025a).
Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz empfiehlt eine Grabegabel, weil sie die wenigsten Knollen verletzt (Morgenstern o. J.). Stich seitlich neben dem Damm ein und heb die Erde samt Knollen an. Manche Gartenbegeisterte arbeiten lieber mit einer Mistgabel, deren runde Zinken weiter auseinanderstehen; die Erde fällt dann leichter durch, und die Knollen liegen oben. Sammle auch kleine Knollen ein, damit im nächsten Jahr keine Durchwuchskartoffeln im Beet austreiben. Verletzte Kartoffeln isst du zuerst.
Nasse Knollen lässt du vor dem Einlagern an einem luftigen, schattigen Platz abtrocknen (Sächsischer Kartoffelverband 2021). Halte diese Zeit kurz, denn Kartoffeln, die länger im Licht liegen, werden grün (LfL 2014).
Kartoffeln lagern
Kartoffeln brauchen zum Lagern einen dunklen, frostfreien und luftigen Ort. Gewaschene Kartoffeln lagern nicht mehr gut, deshalb kommen sie mit anhaftender Erde in die Kiste (LfL 2014). Die ideale Temperatur geben die Fachstellen leicht unterschiedlich an:
| Quelle | Empfohlene Lagertemperatur |
|---|---|
| Gartenakademie Rheinland-Pfalz (Morgenstern o. J.) | 3 bis 5 °C, auf jeden Fall über 1 °C |
| Landwirtschaftskammer NRW, Speisekartoffeln (LWK NRW 2026) | 4 bis 6 °C |
| Verbraucherzentrale NRW (o. J.) | 4 bis 8 °C |
| Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL 2014) | 5 bis 8 °C, Luftfeuchte um 90 % |
| Bundeszentrum für Ernährung (Dorloff 2026b) | 7 bis 10 °C |
Ein kühler Keller mit etwa vier bis acht Grad liegt also gut im Rahmen. Ist es zu kalt, wandelt die Kartoffel Stärke in Zucker um und schmeckt süß (LfL 2014; Dorloff 2026a). In Lagerhallen setzt diese Verzuckerung bei Luft unter drei Grad ein (LWK NRW 2026). Deshalb gehören Kartoffeln nicht in den Kühlschrank (Dorloff 2026b). Ist es zu warm, keimen sie früh aus (LfL 2014).
Lagere die Knollen in Holzkisten, Papiertüten oder Jutesäcken (Dorloff 2026b) und deck sie gegen Licht ab (Verbraucherzentrale NRW o. J.). Die hohe Luftfeuchte, die die LfL nennt, verhindert, dass die Knollen schrumpeln (LfL 2014). Schau die Vorräte alle paar Wochen durch und nimm faulende Kartoffeln heraus, bevor sie die Nachbarn anstecken. Speisefrühkartoffeln sind wegen ihrer losen Schale für längere Lagerung nicht geeignet (LfL 2014). Wie du anderes Gemüse aus dem Garten lagerst, steht im Artikel Gemüse richtig lagern.
Kartoffelsorten nach Kochtyp
Bei Pflanzkartoffeln steht auf der Packung neben dem Reifezeitpunkt der Kochtyp. Er sagt dir, wofür sich eine Sorte in der Küche eignet (Dorloff 2026b; LfL 2014):
| Kochtyp | Beim Kochen | Passt zu |
|---|---|---|
| festkochend | bleibt fest, zerfällt nicht | Kartoffelsalat, Gratin, Bratkartoffeln, Pellkartoffeln |
| vorwiegend festkochend | mittelfest, vielseitig | Salzkartoffeln, Pellkartoffeln, Bratkartoffeln, Eintopf, Suppe |
| mehligkochend | wird weich und leicht körnig | Püree, Klöße, Reibekuchen, Suppe |
Für den Garten lohnt es sich, eine frühe und eine späte Sorte zu kombinieren: Die eine liefert im Sommer die ersten neuen Kartoffeln, die andere den Wintervorrat. Ein Gartenbuch mit Anbauplänen für viele Gemüsearten ist zum Beispiel Simon Akeroyd, Selbstversorgung für Einsteiger.
Rezept: Bratkartoffeln aus dem eigenen Garten
Für Bratkartoffeln nimmst du am besten eine festkochende oder vorwiegend festkochende Sorte (Dorloff 2026b). Du kannst sie aus rohen oder aus vorgekochten Kartoffeln braten. Aus vorgekochten Kartoffeln entsteht in der Regel weniger Acrylamid, weil sie mehr Wasser enthalten (BfR 2024). Acrylamid bildet sich beim starken Erhitzen stärkehaltiger Lebensmittel; je brauner die Kartoffel, desto mehr ist in der Regel drin (LfL 2014). Die Faustregel des BfR heißt deshalb „vergolden statt verkohlen“, möglichst nicht über 180 Grad und nicht länger als nötig (BfR 2024).
Zutaten für vier Personen
- 1 kg festkochende Kartoffeln
- 2 Zwiebeln
- 3 bis 4 EL Bratöl oder Butterschmalz
- Salz, Pfeffer
- nach Belieben Kümmel, Majoran oder frische Petersilie
Zubereitung mit Pellkartoffeln vom Vortag
- Koch die Kartoffeln mit Schale in etwa 20 bis 25 Minuten gar, gieß das Kochwasser ab und lass sie abkühlen, am besten über Nacht im Kühlschrank. Dann zerfallen sie beim Braten nicht.
- Pell die Kartoffeln und schneid sie in etwa einen halben Zentimeter dicke Scheiben. Grüne Stellen und Augen schneidest du großzügig weg.
- Schneid die Zwiebeln in feine Ringe oder Würfel.
- Erhitz das Fett in einer großen, schweren Pfanne bei mittlerer Hitze. Leg die Scheiben möglichst in einer Lage hinein. In einer zu vollen Pfanne dämpfen die Kartoffeln und bräunen kaum; brat dann lieber in zwei Portionen.
- Lass die Kartoffeln einige Minuten liegen, bis die Unterseite goldgelb ist, und wende sie erst dann. Nach und nach brätst du so alle Seiten goldbraun.
- Gib die Zwiebeln für die letzten fünf bis acht Minuten dazu, damit sie weich und hellbraun werden, ohne zu verbrennen.
- Würz mit Salz, Pfeffer und nach Belieben mit Kümmel oder Majoran, streu zum Schluss gehackte Petersilie darüber.
Variante mit rohen Kartoffeln
Schäl die Kartoffeln, schneid sie in dünne Scheiben und tupf sie mit einem Küchentuch trocken. Brat sie in Öl oder Butterschmalz bei mittlerer Hitze langsam und wende sie immer wieder, bis sie gar und knusprig sind. Das dauert etwa 20 bis 25 Minuten. Ein Deckel in den ersten zehn Minuten hilft, dass die Scheiben innen gar werden, bevor sie außen zu dunkel sind. Die Zwiebeln kommen hier ebenfalls erst gegen Ende dazu.
Dazu passen Spiegelei, ein grüner Salat oder ein Glas selbst gemachtes Sauerkraut, wie es im Artikel Sauerkraut selbst machen beschrieben ist.
Häufige Fragen
Wann pflanzt du Kartoffeln?
Sobald der Boden etwa acht Grad warm ist, meist zwischen Mitte April und Anfang Mai (Morgenstern o. J.). Vorgekeimte Kartoffeln kannst du unter Vlies etwas früher legen.
Wie tief und mit welchem Abstand pflanzt du Kartoffeln?
In Rinnen von vier bis acht Zentimetern Tiefe (Sächsischer Kartoffelverband 2021), mit 30 bis 40 Zentimetern Abstand in der Reihe und etwa 70 Zentimetern zwischen den Reihen (Morgenstern o. J.).
Wie oft muss ich Kartoffeln häufeln?
Zwei- bis dreimal im Abstand von etwa zwei Wochen, jeweils etwa handhoch (Sächsischer Kartoffelverband 2021; Morgenstern o. J.). Häufle nach, sobald sich wieder Blätter auf dem Damm zeigen oder Knollen herausschauen.
Kann ich grüne Kartoffeln essen?
Kleine grüne Stellen schneidest du großzügig weg. Stark grüne oder kräftig keimende Knollen sortierst du aus, und bitter schmeckende Gerichte isst du nicht (BfR 2018a).
Kann ich gekeimte Kartoffeln aus dem Keller pflanzen?
Grundsätzlich treiben sie aus. Speisekartoffeln können Krankheiten mitbringen, und ihre Sorte ist oft unbekannt; für einen sicheren Start sind zertifizierte Pflanzkartoffeln die bessere Wahl (Sächsischer Kartoffelverband 2021).
Wann sind Kartoffeln erntereif?
Frühkartoffeln, wenn das Laub abzusterben beginnt. Lagerkartoffeln, wenn das Laub ganz abgestorben und die Schale fest ist (Morgenstern o. J.). Bei Krautfäule wartest du nach dem Absterben des Laubs noch etwa zwei Wochen (BLE 2025a).
Wie lagere ich Kartoffeln ohne Keller?
Such den kühlsten dunklen Ort, den du hast, etwa eine unbeheizte Kammer oder einen frostfreien Schuppen. Der Kühlschrank ist zu kalt, dort werden Kartoffeln süß (Dorloff 2026b). Je wärmer der Platz, desto eher keimen sie; plane den Vorrat dann kleiner.
Quellen
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (2025a): Krautfäule und Knollenfäule (Phytophthora infestans). oekolandbau.de, Pflanzendoktor, aktualisiert 01.09.2025. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-pflanzenschutz/pflanzendoktor/schaderreger/schaderreger-im-ackerbau/krautfaeule-und-knollenfaeule-phytophthora-infestans/
- Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) (2025b): Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata). oekolandbau.de, Pflanzendoktor, aktualisiert 08.01.2025. https://www.oekolandbau.de/bio-in-der-praxis/oekologische-landwirtschaft/oekologischer-pflanzenbau/oekologischer-pflanzenschutz/pflanzendoktor/schaderreger/schaderreger-im-ackerbau/kartoffelkaefer-leptinotarsa-decemlineata/
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2018a): Solanin in Kartoffeln: Grüne und stark keimende Knollen sollten aussortiert werden. Pressemitteilung, 26.04.2018. https://www.bfr.bund.de/en/press-release/solanine-in-potatoes-green-and-strongly-germinating-potato-tubers-should-be-sorted-out/
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2018b): Fragen und Antworten zu Solanin (Glykoalkaloiden) in Kartoffeln. FAQ, 23.04.2018. https://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-solanin-glykoalkaloiden-in-kartoffeln.pdf
- Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2024): Vergolden statt verkohlen: Fragen und Antworten zu Acrylamid in Lebensmitteln. FAQ, 26.08.2024. https://www.bfr.bund.de/cm/343/vergolden-statt-verkohlen-fragen-und-antworten-zu-acrylamid-in-lebensmitteln.pdf
- Bayerische Gartenakademie, Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) (2025): Kartoffel vorkeimen für eine frühere Ernte. Gemüseblog, 26.03.2025. https://www.lwg.bayern.de/gartenakademie/gartendokumente/gemueseblog/374115/index.php
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) (2014): Die Kartoffel. Lang oder rund und rundum gesund. Merkblatt, 10/2014. https://www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/merkblaetter/kartoffel_lang_rund_gesund_lfl-merkblatt.pdf
- Dorloff, Verena (2026a): Kartoffeln: Gesundheit und Umwelt. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), Stand 06.03.2026. https://www.bzfe.de/kueche-und-alltag/vom-acker-bis-zum-teller/kartoffeln/kartoffeln-gesundheit-und-umwelt
- Dorloff, Verena (2026b): Kartoffeln: Vom Einkauf in die Küche. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), Stand 06.03.2026. https://www.bzfe.de/kueche-und-alltag/vom-acker-bis-zum-teller/kartoffeln/kartoffeln-vom-einkauf-in-die-kueche
- Dorloff, Verena (2026c): Kartoffeln: Auf dem Acker. Bundeszentrum für Ernährung (BZfE), Stand 06.03.2026. https://www.bzfe.de/kueche-und-alltag/vom-acker-bis-zum-teller/kartoffeln/kartoffeln-auf-dem-acker
- Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW) (2026): Ernte und Lagerung von Kartoffeln. Ratgeber 2026 (PDF). https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/kartoffeln/ernte-pdf.pdf
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH) (o. J.): Kraut- und Knollenfäule der Kartoffel. Merkblatt Gartenbau. https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Gartenbau/Kraut-_und_Knollenfaeule_der_Kartoffel.pdf
- Morgenstern, Eva (o. J.): Kartoffelanbau im eigenen Garten. Gartenakademie Rheinland-Pfalz, DLR Rheinpfalz. https://www.gartenakademie.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/522dc0f2d7562a2fc1256fa500450614/f592d54d5c57dfd9c1257c74004b917e
- Sächsischer Kartoffelverband e. V. (2021): Kartoffelanbau im Garten. 07.05.2021. https://kartoffelverband-sachsen.de/kartoffelwissen/kartoffelanbau-im-garten/
- Verband Wohneigentum, Gartenberatung (2026): Kartoffelkäfer (Leptinotarsa decemlineata). 02.04.2026. https://wohneigentum.de/gartenberatung/aktuelles/detail/kartoffelkaefer-leptinotarsa-decemlineata
- Verbraucherzentrale NRW (o. J.): Kartoffel, die Prinzessin des Gemüses. Richtig lagern. https://www.verbraucherzentrale.nrw/richtiglagern/kartoffel
- Vietmeier, Andreas (2026): Kraut- und Braunfäule an Kartoffeln und Tomaten. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Pflanzenschutz im Hausgarten, 27.03.2026. https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/hausgarten/gemuese/krautfaeule.htm
