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18. September 2026 · 16 Min. Lesezeit

Spatendiagnose: So liest du deinen Gartenboden mit dem Spaten

Ein Spaten, ein Taschenmesser und eine halbe Stunde Zeit: Mit der Spatendiagnose siehst du, wie locker dein Boden ist, wie tief die Wurzeln kommen und wie viel Leben darin steckt. So gehst du vor und so deutest du, was du findest.

Was unter deinen Beeten los ist, siehst du von oben nur zum Teil. Blasse Pflanzen, Pfützen nach jedem Regen oder Möhren mit krummen Beinen geben Hinweise, die Ursache liegt meist tiefer. Mit einem Spaten holst du ein Stück Boden in einem Block heraus und schaust dir an, wie er aufgebaut ist. Dafür brauchst du kein Labor und keine Vorkenntnisse, nur ein wenig Übung im Hinsehen, Anfassen und Riechen.

Was ist eine Spatendiagnose?

Bei der Spatendiagnose, oft Spatenprobe genannt, stichst du einen ziegelförmigen Erdblock aus und untersuchst ihn mit den Sinnen. Die Methode stammt aus der Landwirtschaft, ist dort als Spatendiagnose nach Görbing bekannt und dient dazu, die Fruchtbarkeit eines Bodens direkt vor Ort einzuschätzen (Buchner 2009). Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hält das Gefüge des Bodens durch eine Aufgrabung mit dem Spaten für besser erfassbar als durch jede andere Methode (LfL 2023).

Das Gefüge, auch Bodenstruktur genannt, ist die räumliche Anordnung der festen Bodenteilchen: wie sie aneinanderhaften, welche Klümpchen sie bilden und wie viele Hohlräume dazwischen bleiben (LfL 2023). Von diesen Hohlräumen hängt ab, ob Wasser versickert, ob Luft an die Wurzeln kommt und ob Wurzeln tief in den Boden wachsen. Ein günstiges Gefüge lässt Saat gut keimen, lässt Wurzeln gleichmäßig und tief eindringen, speichert Wasser und enthält genug grobe Poren, damit Wurzeln und Bodenlebewesen atmen können (LfL 2023).

Am Bodenziegel kannst du Farbe, Geruch, Feuchte, Durchwurzelung, Gänge von Bodentieren, Krümelung und Verdichtungen erkennen (AGES/Bio Austria 2021). Wiederholst du die Probe über die Jahre, lernst du deinen Boden kennen und siehst, wie er sich verändert.

Was du brauchst

  • einen Spaten mit möglichst gerader Kante, ideal ein Flachspaten; ein zweiter Spaten hilft beim Herausheben
  • ein Taschenmesser, um den Block zu zerlegen und die Grubenwand abzutasten
  • einen Zollstock oder ein Maßband
  • ein Brett, eine Plane oder eine Wanne als Unterlage
  • Handy oder Notizblock, um Fotos und Beobachtungen festzuhalten

Diese Ausrüstung empfehlen Fachstellen in Deutschland und Österreich übereinstimmend (Ottensamer 2022; AGES/Bio Austria 2021; Bahnmüller 2021).

Der richtige Zeitpunkt

Eine Spatendiagnose kannst du grundsätzlich zu jeder Jahreszeit machen (AGES/Bio Austria 2021). Am meisten erfährst du, wenn der Boden gut durchwurzelt ist, denn dann zeigen dir die Wurzeln, wo sie ungehindert wachsen und wo sie ausweichen. In der Landwirtschaft gilt für Getreide, Rüben und Kartoffeln etwa drei Wochen vor der Ernte als günstig, für Gründüngung Ende September bis Anfang Oktober (AGES/Bio Austria 2021). Im Garten passt der Hochsommer unter Kulturen, die schon lange stehen, oder der Frühherbst in einer Gründüngung.

Wichtiger als der Monat ist die Bodenfeuchte. Der Boden sollte erdfrisch sein, also weder staubtrocken noch nass. Regenwürmer lassen sich nur in ausreichend feuchtem Boden sinnvoll beurteilen (Bodner 2019, zitiert nach AGES/Bio Austria 2021). Trockener Boden setzt dem Messer mehr Widerstand entgegen und wirkt dichter, als er ist.

Info: Warum der Boden im nassen Frühjahr täuschen kann. In einer mehrjährigen Untersuchung zur Spatendiagnose zeigte sich, dass Böden mit mehr als 20 Prozent Bodenfeuchte im Gefüge besser bewertet wurden. Die Krümel sahen gut aus, zerfielen unter Wasser jedoch rasch. Die Autorin führt das auf sogenannte Pseudokrümel zurück, die sich bei Nässe und noch geringer biologischer Aktivität bilden (Beste 2002). Wenn du vergleichen willst, grab deshalb jedes Jahr ungefähr zur gleichen Zeit und bei ähnlicher Feuchte.

Die richtige Stelle im Garten

Wähl eine Stelle, die für das Beet typisch ist. Wege, Trampelpfade, die Ecke neben dem Kompost oder den Platz, an dem im Frühjahr die Schubkarre stand, lässt du aus, es sei denn, du willst gerade dort etwas herausfinden. Wächst ein Beet ungleichmäßig, lohnt es sich, eine gute und eine schwache Stelle zu vergleichen (AGES/Bio Austria 2021). Zwei bis drei Einstiche reichen mit etwas Erfahrung, um eine einheitliche Fläche zu beurteilen (AGES/Bio Austria 2021).

Schau dir vor dem ersten Stich die Oberfläche an. Eine lockere, krümelige Oberfläche mit Häufchen von Wurmkot ist ein gutes Zeichen. Ist sie dagegen verschlämmt, verkrustet oder hart, deutet das auf eine geringe Stabilität der Krümel hin (Hochschule Geisenheim o. J.; AGES/Bio Austria 2021). Verschlämmte Schichten werden beim Austrocknen steinhart und sind für feine Keimlinge kaum zu durchdringen (LfL 2023).

Schritt für Schritt zum Bodenziegel

  1. Heb vor der Stelle, die du untersuchen willst, eine keilförmige Grube aus, die auf einer Seite so tief ist wie dein Spatenblatt (AGES/Bio Austria 2021). Achte darauf, dass diese Wand nicht vom Spaten verschmiert wird, denn an ihr beurteilst du später das Profil (Bahnmüller 2021).
  2. Schon beim Graben merkst du, wie leicht der Spaten eindringt, wie die ausgehobene Erde zerfällt und ob dir Regenwürmer begegnen (AGES/Bio Austria 2021; LfL 2023).
  3. Stich links und rechts sowie an der Rückseite senkrecht ein, sodass ein Block von zehn bis 15 Zentimetern Dicke frei steht (AGES/Bio Austria 2021). Im Garten reicht ein Spatenstich tief, das sind meist 25 bis 30 Zentimeter (LWG 2022).
  4. Benutz den Spaten als Hebel und halt den Block mit der anderen Hand auf dem Blatt fest (LfL 2023). Er soll dabei nicht zusammengedrückt werden.
  5. Leg den Block auf die Unterlage, sodass die Schichtung von oben nach unten sichtbar bleibt. Sieh dir zuerst die Vorderseite an: Wo sitzen Wurzeln, wo Gänge, wo ändert sich die Farbe?
  6. Brich den Block vorsichtig mit den Händen oder dem Messer auseinander. Dabei registrierst du Gefügeform, Farbe und Wurzelbild; beim Zerdrücken prüfst du, wie fest die gröberen Brocken sind (LfL 2023).
  7. Stich einen zweiten Block ab und lass ihn aus etwa einem Meter Höhe auf ein Brett oder eine feste Unterlage fallen (Bahnmüller 2021; Ottensamer 2022). Zerfällt er in viele kleine, runde Krümel, ist das Gefüge locker und von Bodenleben aufgebaut. Bleiben wenige große, scharfkantige Brocken, ist der Boden verdichtet (Bahnmüller 2021; AGES/Bio Austria 2021).
  8. Drück das Messer an mehreren Stellen von oben nach unten in die unverschmierte Wand. Lässt es sich leicht ganz hineinschieben, ist der Boden locker. Kommst du nur ein bis zwei Zentimeter weit, ist er verfestigt, geht es kaum oder nur mit Gewalt, ist er verdichtet (Bodner 2019, zitiert nach AGES/Bio Austria 2021). Drück in harten Zonen vorsichtig, die Klinge kann brechen (Bahnmüller 2021).
  9. Miss mit dem Zollstock, in welcher Tiefe sich etwas ändert, und fotografier Block und Wand. Beim nächsten Mal kannst du vergleichen.
  10. Setz die Erde in der ursprünglichen Reihenfolge wieder ein und tritt sie nicht fest.

Was dir der Boden verrät

Bodengefüge: Krümel, Bröckel oder Platten

Das Gefüge ist das wichtigste Merkmal, um Oberboden und Unterboden zu beurteilen (LfL 2023). Die Landesanstalt unterscheidet Gefüge, in denen die Bodenteilchen einzeln liegen, und Gefüge, in denen sie sich zu größeren Formen zusammengeschlossen haben (LfL 2023). Für deinen Bodenziegel hilft diese Übersicht:

Was du siehst Name Was es bedeutet
kleine, runde, poröse Krümel, ein bis fünf Millimeter groß Krümelgefüge besonders günstig; biologisch aufgebaut, von Wurzeln durchzogen (LfL 2023; AGES/Bio Austria 2021)
etwas größere Brocken mit abgerundeten, rauen Kanten Bröckelgefüge günstig bis mittel, je nach Größe und Festigkeit (LfL 2023)
lose Sandkörner ohne Zusammenhalt Einzelkorngefüge typisch für Sandböden; hält wenig Wasser (LfL 2023)
scharfkantige Brocken mit glatten Flächen Polyedergefüge typisch für Tonböden; fein günstig, grob ungünstig. In Lehmböden deuten sie auf Verdichtung (LfL 2023)
waagerechte Platten, die in Schichten brechen Plattengefüge Gefügeschaden; Wasser, Luft und Wurzeln kommen schlecht durch (LfL 2023; AGES/Bio Austria 2021)
große, dichte Blöcke ohne sichtbare Poren Kohärentgefüge dicht gelagert, meist nach Druck auf nassen Boden (AGES/Bio Austria 2021)

In Gartenböden findest du selten eine Form in Reinkultur, meist eine Mischung aus Krümeln, Bröckeln und Bruchstücken. Je höher der Anteil an Krümeln, desto besser (AGES/Bio Austria 2021). Nach unten darf der Boden fester werden, das ist normal. Günstig ist ein allmählicher Übergang. Eine abrupte, harte Grenze verursacht Wasserstau und unterbricht den Nachschub von Wasser aus der Tiefe (LfL 2023). Im Garten entsteht sie oft in der Tiefe, bis zu der jahrelang umgegraben oder gefräst wurde.

Welches Gefüge sich bildet, hängt von der Bodenart, vom Humusgehalt, von der Aktivität des Bodenlebens, von der Durchwurzelung und von der Bearbeitung ab (AGES/Bio Austria 2021). Einen Teil davon hast du in der Hand.

Wurzeln

Unter wachsenden Pflanzen sind die Wurzeln der direkteste Maßstab für das Gefüge (LfL 2023). Gut ist eine gleichmäßige, dichte Durchwurzelung im Oberboden, die ohne abrupten Abbruch bis in den Unterboden reicht (Bodner 2019, zitiert nach AGES/Bio Austria 2021). Warnzeichen sind Wurzeln, die an einer Schicht waagerecht abbiegen, platt gequetscht sind oder nur in Rissen und Wurmgängen wachsen (AGES/Bio Austria 2021). Pfahlwurzeln zeigen verdichtete Zonen besonders deutlich, weil sie um sie herumwachsen (Bahnmüller 2021). Im Gemüsebeet sind das Möhren, Pastinaken und Rettiche; beinige Rüben gelten in der Landwirtschaft als Folge starker Verdichtung (LfL 2023).

Hast du Erbsen, Bohnen oder Klee im Beet, lohnt ein Blick auf die Wurzelknöllchen. Fehlen sie, kann das auf Luftmangel und Verdichtung hinweisen (AGES/Bio Austria 2021). Mehr dazu liest du im Artikel über Leguminosen.

Regenwürmer und Bodenleben

Regenwürmer, ihre Gänge und ihr Kot zeigen dir, wie aktiv das Bodenleben ist. Hinweise findest du an der Oberfläche in Form von Kothäufchen und in Gänge gezogenen Pflanzenresten, im Aushub und an der Unterseite des Bodenblocks, wo die Röhren enden (AGES/Bio Austria 2021). Senkrechte, durchgehende Wurm- und Wurzelröhren zeigen, dass Wasser gut versickert und Luft in die Tiefe kommt (LfL 2023).

Für eine grobe Einordnung zählst du im Frühjahr (März, April) oder Herbst (September, Oktober) die Kothäufchen auf einer Fläche von 50 mal 50 Zentimetern. Fünf oder weniger deuten auf geringe Aktivität, rund zehn auf mäßige, 20 und mehr auf eine gute Aktivität mit vielen Würmern (Pfiffner 2022). In einem Punkteschema der Universität für Bodenkultur Wien gelten mehr als acht Regenwürmer in einem Bodenziegel als bestes Ergebnis (Bodner 2019, zitiert nach AGES/Bio Austria 2021).

Die Zahl schwankt stark mit Bodenart, Niederschlag und Nutzung. In Ackerböden leben etwa 30 bis 300 Regenwürmer pro Quadratmeter, 120 bis 140 gelten dort als gute Dichte (Pfiffner 2022). Ihre Arbeit kommt deinen Pflanzen unmittelbar zugute. In der Regel werden über 90 Prozent der Regenwurmgänge von Pflanzenwurzeln besiedelt, und Böden mit Regenwürmern entwässern bis zu zehnmal schneller als Böden ohne (Pfiffner 2022). Mehr über die kleinen Helfer erfährst du im Porträt Regenwurm und Ohrenkneifer.

Farbe

Die Farbe verrät dir, wie es um Luft, Wasser und Humus steht. Humus färbt den Boden grau bis schwarz. Gelbe, braune und rote Töne stammen von Eisenverbindungen in gut durchlüfteten Böden. Blaugraue oder blaugrüne Zonen entstehen, wenn der Boden ständig nass ist und Luft fehlt; dort wachsen Wurzeln schlecht. Rostflecken zeigen, dass sich nasse und trockene Phasen abwechseln (AGES/Bio Austria 2021; LfL 2023).

Eine dunkle Farbe deutet in der Regel auf mehr Humus hin. Bei sandigen Böden kann sie täuschen. Schon wenig Humus färbt sie stark dunkel, der Humusgehalt wird dann leicht überschätzt (Nätscher 2009). Graublaue, übel riechende Flecken sind das deutlichste Zeichen für eine Störung, die Pflanzen schadet (LfL 2023).

Geruch

Riech an einer Handvoll Erde aus dem oberen Teil des Blocks. Am stärksten riecht Boden, wenn er warm und feucht ist (AGES/Bio Austria 2021). Ein angenehm erdiger Geruch wie im Wald zeigt gute Durchlüftung und eine gute Zersetzung (Bahnmüller 2021; AGES/Bio Austria 2021). Riecht der Boden faulig, muffig oder nach Silage, fehlt Sauerstoff, und organische Reste faulen (Bahnmüller 2021).

Pflanzenreste im Boden

Stößt du auf Nester aus kaum zersetztem Laub, Stroh oder Mist, sagt das etwas über die Bedingungen im Boden. Pflanzenreste sollten bis zum Sommer des Folgejahres abgebaut sein; Gründüngung verrottet schneller als Mist oder Stroh (AGES/Bio Austria 2021). Liegen Reste nach Jahren noch fast unverändert da, kann der Boden zu dicht oder zeitweise zu nass sein, das Material wurde in dicken Schichten eingearbeitet oder zu tief vergraben (AGES/Bio Austria 2021). Solche Matten meiden Wurzeln, und sie bremsen das Wasser (LfL 2023).

Fingerprobe: Welche Bodenart hast du?

Die Bodenart ist von Natur aus vorgegeben. Sie beschreibt, wie viel Sand, Schluff und Ton im Boden steckt, und bestimmt, wie viel Wasser und Nährstoffe er halten kann. Sand hat Körner von 0,063 bis zwei Millimetern, Schluff liegt darunter, Ton ist feiner als 0,002 Millimeter. Lehm ist eine Mischung aus allen dreien (Nätscher 2009).

Für die Fingerprobe nimmst du eine walnussgroße Portion Erde, die feucht und nicht nass ist. Ist sie zu trocken, befeuchtest du sie; zu trockene Proben wirken körniger, zu feuchte bindiger, als sie sind (Nätscher 2009). Dann reibst du sie zwischen den Fingern und versuchst, sie auf der Handfläche zu einer bleistiftdicken Rolle zu formen.

Probe Sand Schluff Lehm Ton
Reiben zwischen den Fingern rau, kratzend, einzelne Körner fühlbar; haftet nicht in den Fingerrillen samtig, mehlig; haftet stark in den Fingerrillen; stumpfe Schmierfläche viel Feinmaterial mit gut sichtbarem und fühlbarem Sandanteil bindig, klebrig, gut formbar; Sand kaum fühlbar; glänzende Schmierfläche
Rollprobe lässt sich nicht ausrollen lässt sich ausrollen, zerbröckelt beim zweiten Ausrollen lässt sich ausrollen lässt sich wiederholt ausrollen und neu kneten

Die Merkmale stammen aus der Laboranleitung zur Fingerprobe der Landesanstalt (Nätscher 2009). Humus verschiebt das Bild etwas. In sandigen Böden macht er die Probe bindiger, in tonigen weniger bindig (Nätscher 2009). Die Rollprobe verrät dir nebenbei, ob du den Boden bearbeiten solltest. Lässt er sich leicht zu einer Rolle formen, ist er für Spaten und Grubber meist zu feucht (Hochschule Geisenheim o. J.).

Was du aus dem Ergebnis machst

Aus dem, was du im Bodenziegel findest, lassen sich konkrete Schritte für deine Beete ableiten. Diese Übersicht verbindet häufige Befunde mit Maßnahmen für den Garten:

Befund Mögliche Ursache Was du tun kannst
Platten, harte Schicht, Wurzeln knicken ab Druck auf nassen Boden, jahrelang gleiche Bearbeitungstiefe Beete nicht betreten; bei Nässe nicht graben; eine Gründüngung säen, die lange stehen darf
verschlämmte, harte Oberfläche wenig Krümelstabilität, nackter Boden Boden bedeckt halten, mulchen, reifen Kompost dünn aufbringen
blaugraue Zonen, fauliger Geruch Staunässe, Luftmangel Verdichtung lösen; nicht nass bearbeiten; organisches Material nur flach einarbeiten
lose Sandkörner, trocknet schnell aus sandige Bodenart, wenig Humus Humus aufbauen mit Kompost und Mulch
kaum Würmer, kaum Kothäufchen wenig Futter, häufige Störung Mulch und organisches Material zuführen, weniger umgraben
unverrottete Nester Luftmangel, zu tief eingearbeitet Pflanzenreste flach einarbeiten oder obenauf liegen lassen

Die Maßnahmen stützen sich auf die Fachstellen. Befahren, Betreten und Walzen verdichten den Boden, eine Bedeckung durch Pflanzen oder Pflanzenreste schützt am besten vor Verschlämmung (LfL 2023). Eine gleichmäßige, flache Einarbeitung von Pflanzenresten fördert die Rotte und verhindert Matten (LfL 2023); obenauf liegende Reste wirken als schützender Mulch (Bodner 2019, zitiert nach AGES/Bio Austria 2021). In einem mehrjährigen Versuch verbesserte eine Grünbrache das Gefüge und förderte die Bildung stabiler Krümel bis in die Folgekultur (Beste 2002). Humus, eine vielfältige Fruchtfolge und eine schonende Bearbeitung fördern das Krümelgefüge (LfL 2023). Humus verbessert die Belüftung toniger und die Wasserhaltefähigkeit sandiger Böden (LWG 2021). Regenwürmer vermehrst du mit Mulchdecken, organischen Düngern und Pflanzenresten auf dem Boden (AGES/Bio Austria 2021). In ihren aktiven Zeiten im März und April sowie im September und Oktober sollte der Boden möglichst wenig bearbeitet werden (Pfiffner 2022).

Wie du ein Beet ganz ohne Umgraben anlegst, zeigt der Artikel zum No-Dig-Beet. Warum Mulch Wasser spart und die Oberfläche schützt, liest du in Weniger gießen, mehr mulchen. Und wie du Humus gezielt aufbaust, erklärt der Artikel Humus aufbauen mit Kompost.

Gib dem Boden Zeit. Grab im nächsten Jahr an derselben Stelle wieder und vergleich die Fotos. So siehst du, ob deine Maßnahmen im Boden ankommen.

Wer tiefer in das Thema einsteigen will, findet im Großen Boden-Handbuch von Jesse Frost viele Anregungen für einen Garten mit wenig Bodenbearbeitung.

Spatendiagnose und Bodenuntersuchung im Labor

Die Spatenprobe zeigt dir den Aufbau und die Lebendigkeit deines Bodens. Für Nährstoffe und pH-Wert brauchst du eine Bodenanalyse im Labor. Die Standarduntersuchung umfasst Phosphat, Kalium und den Kalkbedarf beziehungsweise den pH-Wert; Humusgehalt, Stickstoff und Spurenelemente kosten extra (LWG 2022). Die Fachleute der Landwirtschaftskammer Oberösterreich empfehlen, die Spatenprobe mit einer solchen Laboranalyse zu ergänzen (Ottensamer 2022).

Die Bayerische Gartenakademie rät, den Boden vor einer Neuanlage und danach alle drei bis fünf Jahre untersuchen zu lassen, am besten im späten Herbst nach dem Abräumen oder im zeitigen Frühjahr, jeweils vor dem Düngen (LWG 2022). So gehst du vor (LWG 2022):

  1. Für jede Nutzung eine eigene Probe: Gemüsebeet, Beerensträucher und Rasen getrennt.
  2. Zehn bis 15 Einstiche gleichmäßig über die Fläche verteilen, Wege, Ränder und die Nähe des Komposts auslassen.
  3. Mit dem Spaten eine Grube anlegen, an der glatten Wand eine etwa zwei Zentimeter dicke Scheibe spatentief abstechen und davon nur einen drei bis vier Zentimeter breiten Streifen in der Mitte in einen Eimer geben. Ein Bohrstock geht schneller.
  4. Alle Teilproben gründlich mischen und etwa 500 Gramm beschriftet ans Labor schicken, mit dem Vermerk, ob im letzten Jahr Kompost ausgebracht wurde.

Die Analyse lohnt sich. In Untersuchungen der Landesanstalt waren etwa 80 Prozent der Gartenböden mit Phosphor und etwa 60 Prozent mit Kalium „sehr hoch“ versorgt (LWG 2022). Zu hohe Düngergaben belasten die Umwelt und wirken sich ungünstig auf das Pflanzenwachstum aus (LWG 2022).

Häufige Fragen

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Spatendiagnose?

Wenn der Boden erdfrisch ist, also weder nass noch ausgetrocknet, und möglichst gut durchwurzelt. Im Garten eignen sich der Spätsommer unter lange stehenden Kulturen und der Frühherbst in einer Gründüngung. Für Regenwürmer sind Frühjahr und Herbst am aussagekräftigsten.

Wie tief muss ich graben?

Im Garten reicht ein Spatenstich, meist 25 bis 30 Zentimeter. Fachstellen in der Landwirtschaft nehmen Blöcke von 30 bis 45 Zentimetern, um den Übergang zum Unterboden zu sehen. Wichtig ist, dass du die Zone erfasst, bis zu der bisher bearbeitet wurde, und darunter noch ein Stück.

Was ist ein gutes Ergebnis?

Ein Block, der beim Fallenlassen in viele kleine, runde Krümel zerfällt, gleichmäßig durchwurzelt ist, erdig riecht und von Wurmgängen durchzogen ist. Farbe und Festigkeit ändern sich nach unten allmählich, ohne harte Grenze.

Wie erkenne ich Bodenverdichtung?

An scharfkantigen Brocken oder waagerechten Platten, an Wurzeln, die seitlich abknicken, an einem Messer, das sich kaum in die Grubenwand drücken lässt, und oft an blaugrauen Stellen und fauligem Geruch. Oben sammelt sich nach Regen Wasser in Pfützen.

Wie oft sollte ich die Spatenprobe wiederholen?

Einmal im Jahr an derselben Stelle und zur gleichen Jahreszeit reicht, um Veränderungen zu sehen. Nach einer größeren Umstellung, etwa auf Mulch oder Beete ohne Umgraben, lohnt sich ein zusätzlicher Blick.

Ersetzt die Spatendiagnose eine Bodenanalyse?

Beide beantworten unterschiedliche Fragen. Die Spatenprobe zeigt Gefüge, Wasser- und Lufthaushalt und Bodenleben, das Labor misst Nährstoffgehalte und pH-Wert. Zusammen ergeben sie ein vollständiges Bild.

Quellen

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Geschrieben von Rankwerk