Blattläuse an den Rosen oder weißer Belag auf den Zucchiniblättern gehören zu jedem Gartenjahr. Viele Gartenbegeisterte greifen dann zu Hausmitteln, setzen Brühen an oder kaufen biologische Präparate. Manches davon hilft, manches ist im Garten schlicht nicht erlaubt.
Am meisten erreichst du mit Vorbeugen, damit Schädlinge und Krankheiten gar nicht erst überhandnehmen. Pflanzenstärkungsmittel und einige genehmigte Grundstoffe ergänzen das. Wo die Grenze zum Pflanzenschutzmittel verläuft, legt das Pflanzenschutzgesetz fest, und für Haus- und Kleingärten gelten dabei eigene Regeln.
Was das Pflanzenschutzrecht unterscheidet
Wer im Garten spritzt, sprüht oder streut, bewegt sich in einem geregelten Bereich. Das deutsche Pflanzenschutzgesetz und die EU-Verordnung 1107/2009 unterscheiden mehrere Gruppen von Mitteln. Die Unterschiede entscheiden darüber, was du anwenden darfst.
Pflanzenschutzmittel
Pflanzenschutzmittel bekämpfen Schadorganismen wie Insekten, Pilze oder Schnecken direkt. Sie brauchen eine Zulassung durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und dürfen nur in den zugelassenen Anwendungsgebieten und nach den festgesetzten Anwendungsbestimmungen eingesetzt werden (§ 12 Abs. 1 PflSchG). Das gilt für chemisch-synthetische Mittel ebenso wie für Mittel mit Wirkstoffen natürlichen Ursprungs.
Pflanzenstärkungsmittel
Pflanzenstärkungsmittel sind laut Gesetz Stoffe und Gemische einschließlich Mikroorganismen, die ausschließlich dazu bestimmt sind, allgemein der Gesunderhaltung der Pflanzen zu dienen, oder die Pflanzen vor nichtparasitären Beeinträchtigungen schützen, etwa vor Kälte oder Trockenstress (§ 2 Nr. 10 PflSchG). Zur direkten Bekämpfung von Schädlingen oder Krankheiten sind sie nicht bestimmt. Mittel, die in erster Linie Nährstoffe liefern, fallen unter das Düngemittelrecht (BVL).
Pflanzenstärkungsmittel werden nicht zugelassen. Wer eines verkaufen will, zeigt es beim BVL an; mit dem Eingang dieser Anzeige darf es in den Handel (BVL). Das BVL führt eine monatlich aktualisierte Liste. Ein rechtmäßig vertriebenes Pflanzenstärkungsmittel darf im Erwerbsanbau und im Haus- und Kleingarten angewendet werden (BVL).
Grundstoffe
Grundstoffe sind Stoffe, die nicht in erster Linie für den Pflanzenschutz verwendet werden, für ihn trotzdem von Nutzen sind (BVL). Beispiele sind Natron, Essig, Milch, Sonnenblumenöl oder Auszüge aus Ackerschachtelhalm und Brennnessel. Die EU genehmigt sie einzeln nach Artikel 23 der Verordnung 1107/2009, wenn sie nicht bedenklich sind (Pflanzenschutzamt Berlin). Stoffe und Gemische, die ausschließlich genehmigte Grundstoffe enthalten, brauchen keine Zulassung (§ 12 Abs. 4 PflSchG; JKI).
Für jeden Grundstoff legt ein Beurteilungsbericht der EU fest, gegen welche Schaderreger, an welchen Kulturen und in welcher Zubereitung er eingesetzt werden darf. Diese Angaben musst du beachten (BVL). Deutschsprachige Tabellen dazu stellen das Pflanzenschutzamt Berlin und die Landwirtschaftskammern bereit.
Was im Hausgarten erlaubt ist
Im Haus- und Kleingarten dürfen nur Pflanzenschutzmittel angewendet werden, die für nichtberufliche Anwender zugelassen sind oder für die das BVL die Eignung für den Hausgarten festgestellt hat (§ 12 Abs. 3 PflSchG). Du erkennst sie an der Aufschrift „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“, auf älteren Packungen „Anwendung im Haus- und Kleingarten zulässig“ (Pflanzenschutzamt Berlin; LWK Niedersachsen). Auf Wegen, Einfahrten, Terrassen und anderen befestigten Flächen sind Pflanzenschutzmittel grundsätzlich verboten (§ 12 Abs. 2 PflSchG).
Hausmittel, die du selbst anmischst, sind als Pflanzenschutz grundsätzlich nicht erlaubt. Die Ausnahme sind Stoffe, die auf der Grundstoff-Liste stehen; dann gelten die dort genannten Anwendungsbedingungen (LfL). Verstöße gegen die Anwendungsvorschriften sind Ordnungswidrigkeiten und können mit Bußgeld geahndet werden (§ 68 PflSchG).
Heikel wird es bei selbst angesetzten Jauchen und Tees. Setzt du Brennnesseljauche als Dünger oder zur allgemeinen Stärkung ein, bewegst du dich im erlaubten Bereich. Das BVL stellt klar: Ist ein Mittel dafür verantwortlich, dass Pflanzen von Blattläusen oder anderen Schädlingen befreit werden, ist es als Pflanzenschutzmittel anzusehen (zitiert nach Bundesverband Deutscher Gartenfreunde 2016). Es kommt also auf den Zweck an. Brühen gegen einen konkreten Befall sind nur dann zulässig, wenn sie einem genehmigten Grundstoff entsprechen und du die dort festgelegte Zubereitung und Anwendung einhältst.
Info: Finger weg von giftigen Kräutern. Das Bundesinformationszentrum Landwirtschaft rät von Zubereitungen aus Schafgarbe, Beifuß, Wermut und Rainfarn ab, weil der Sprühnebel der Gesundheit von Mensch und Tier schaden kann (BZL 2025). Schafgarbe, Wermut und Tannine sind zudem ausdrücklich keine genehmigten Grundstoffe (LKSH 2022).
Vorbeugen: der wichtigste Pflanzenschutz
Das Pflanzenschutzgesetz beschreibt als Leitbild den integrierten Pflanzenschutz. Biologische, anbau- und kulturtechnische Maßnahmen und die Wahl passender Sorten haben Vorrang, Pflanzenschutzmittel werden auf das notwendige Maß beschränkt (§ 2 Nr. 2 PflSchG). Für den Hausgarten empfiehlt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, zuallererst auf vorbeugende Maßnahmen zu setzen (LfL). Gesunde, gut versorgte Pflanzen an einem passenden Platz werden seltener krank und verkraften einen Befall besser.
Standort und Sorten
Wähl für jede Pflanze einen Standort, der ihr entspricht, und bevorzuge Sorten, die gegen häufige Krankheiten wie Mehltau tolerant sind (LfL). Ein gut durchlüfteter Platz lässt Blätter nach Regen schnell abtrocknen, das nimmt Pilzen die Grundlage. Halte genug Abstand zwischen den Pflanzen, damit Luft durch den Bestand zieht.
Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft rät zu einer ausgewogenen Düngung mit verhaltener Stickstoffgabe und zu ausreichender Bewässerung (LfL). Gieß morgens und nur die Kulturpflanzen; das empfiehlt die LfL gegen Schnecken (LfL Schnecken), und die Blätter stehen so nicht die ganze Nacht nass. Wie du einen gesunden Boden aufbaust, liest du im Artikel Dünger selbst herstellen.
Mischkultur und Fruchtfolge
Eine bunte Mischkultur im Gemüsebeet beugt Blattläusen vor (LfL). Mit einer durchdachten Fruchtfolge beugst du Krankheiten vor, die sich im Boden anreichern, wenn dieselbe Pflanzenfamilie Jahr für Jahr am selben Platz steht; bei Erbsen ist diese Bodenmüdigkeit gut bekannt (siehe Leguminosen). Welche Nachbarn sich vertragen und wie du deine Beete über die Jahre planst, steht im Artikel Mischkultur und Fruchtfolge.
Nützlinge fördern
Viele Tiere in deinem Garten fressen Schädlinge. Marienkäferlarven verspeisen in ihrer Entwicklung 400 bis 600 Blattläuse, eine Florfliegenlarve etwa 450 (NABU). Schlupfwespen legen ihre Eier in Blattläuse, Minierfliegen oder Apfelwickler, und Laufkäfer fressen Schneckeneier, Drahtwürmer und Milben (NABU).
Nützlinge brauchen Nahrung und Unterschlupf. Der NABU empfiehlt heimische Blühpflanzen, Doldenblütler, Wildkräuter wie Ringelblume und Kornblume, Hecken, Laub- und Holzhaufen, Steinmauern und Nisthilfen. Pestizide lässt du weg, denn sie treffen die Helfer mit (NABU). Porträts der wichtigsten Gartenhelfer findest du in den Artikeln Kleine Nützlinge mit großer Wirkung, Gartennützlinge ansiedeln und Marienkäfer: Vielfraß und Glücksbringer.
Mechanische Hilfen
Viele Probleme löst du mit den Händen. Blattläuse streifst du ab oder spülst sie mit einem kräftigen Wasserstrahl von den Trieben. Kulturschutznetze, die dicht abschließen, halten fliegende Schädlinge fern, Leimringe schützen Obstbäume (LfL). Befallene Blätter und Triebe schneidest du früh ab und entfernst sie aus dem Beet (LfL). Gegen Schnecken helfen morgendliches Gießen, regelmäßig gemähte Randstreifen und Schneckenzäune (LfL). Mehr dazu im Artikel Wenn es Schnecken schmeckt.
Schau regelmäßig nach deinen Pflanzen. Ein kleiner Befall lässt sich leichter eindämmen als ein großer.
Pflanzenstärkungsmittel im Überblick
Pflanzenstärkungsmittel sollen Pflanzen robuster machen, bevor Schaderreger zuschlagen. Ihren Nutzen entfalten sie bei regelmäßiger, vorbeugender Anwendung. Einen akuten, starken Befall beseitigen sie nicht. Weil ein Pflanzenstärkungsmittel beim BVL nur angezeigt und nicht wie ein Pflanzenschutzmittel zugelassen wird, lohnt ein kritischer Blick auf die Versprechen auf der Packung.
Die meisten Pflanzenstärkungsmittel sind natürlichen Ursprungs. Das Julius Kühn-Institut ordnet sie nach ihrer Zusammensetzung (JKI):
| Gruppe | Beispiele |
|---|---|
| anorganische Basis | Gesteinsmehle und Silikate, Kalk (Calciumcarbonat), Tonerde, Natron |
| organische Basis | Algenextrakte, Huminsäuren, Pflanzenextrakte und Pflanzenöle, Wachse, tierische Produkte |
| mikrobielle Basis | Präparate mit Bakterien oder Pilzen, etwa Mykorrhiza |
| Homöopathika | potenzierte Formen der oben genannten Ausgangsstoffe |
Pflanzliche Auszüge sind die bekannteste Gruppe. Mikrobielle Mittel sollen die Wurzeln besiedeln und Nährstoffaufnahme und Abwehr verbessern; dazu zählen Mykorrhiza-Pilze und Präparate aus sogenannten Effektiven Mikroorganismen. Mineralische Mittel wie Gesteinsmehle oder Tonminerale sollen als feiner Belag auf den Blättern wirken. Kaufst du ein Pflanzenstärkungsmittel, achte darauf, dass es beim BVL gelistet ist.
Grundstoffe, die du selbst ansetzen kannst
Einige klassische Gartenbrühen entsprechen genehmigten Grundstoffen. Im Hausgarten darfst du sie einsetzen, solange du dich an die Zubereitung und die Anwendungsgebiete aus dem EU-Beurteilungsbericht hältst. Die folgenden Angaben stammen aus den Übersichten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein und des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft. Prüf vor der Anwendung den aktuellen Stand in der Grundstoff-Datenbank des Pflanzenschutzamts Berlin, denn Genehmigungen können sich ändern.
Ackerschachtelhalm
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) ist als Grundstoff genehmigt. Für die Brühe weichst du 200 Gramm getrocknetes Kraut 30 Minuten in zehn Litern Wasser ein, kochst es 45 Minuten, lässt es abkühlen und verdünnst den Sud auf das Zehnfache (LKSH 2022). Das entspricht etwa zwei Gramm getrocknetem Kraut pro Liter Spritzbrühe (LKSH Merkblatt Ackerschachtelhalm). Mit frischem Kraut nimmst du 150 Gramm pro Liter, mit getrocknetem 20 Gramm (BZL 2025). Die Brühe hält höchstens einen Tag (BZL 2025).
Genehmigt ist sie unter anderem an Apfel, Pfirsich, Gurke, Tomate, Erdbeere und Kartoffel gegen Mehltau, Schorf, Kräuselkrankheit, Grauschimmel und Phytophthora, den Erreger der Kraut- und Braunfäule (LKSH 2022). Für den Garten nennt die Landwirtschaftskammer etwa 300 Milliliter Spritzbrühe pro zehn Quadratmeter bei Tomaten, Erdbeeren und Kartoffeln und 0,5 bis ein Liter pro zehn Quadratmeter bei Apfel und Pfirsich, mit zwei bis acht Behandlungen im Abstand von drei bis 14 Tagen (LKSH Merkblatt Ackerschachtelhalm). Schachtelhalm wirkt vorbeugend. Spritz ihn deshalb, bevor feuchtwarmes Wetter den Pilzen Auftrieb gibt. Wie du Tomaten vor Braunfäule schützt, zeigt der Artikel Braunfäule an Tomaten.
Brennnessel
Auszüge aus der Brennnessel (Urtica spp.) sind als Grundstoff genehmigt, unter anderem an Obstbäumen, Bohnen, Kartoffeln, Salat, Kohl und Gurken gegen Blattläuse, Spinnmilben, Mehltau und Dürrfleckenkrankheit (LKSH 2022). Die Zubereitung unterscheidet sich von der Düngerjauche: 75 Gramm frische oder 15 Gramm getrocknete Brennnesselblätter pro Liter Wasser drei bis vier Tage bei etwa 20 Grad gären lassen, täglich umrühren, abseihen und fünffach verdünnen (LKSH 2022; BZL 2025). Zwischen der letzten Anwendung und der Ernte liegen sieben Tage Wartezeit (LKSH 2022).
Die zwei Wochen lang vergorene Brennnesseljauche zum Gießen ist ein Dünger. Wie du sie ansetzt, steht im Artikel Dünger selbst herstellen.
Natron (Natriumhydrogencarbonat)
Natriumhydrogencarbonat, im Haushalt als Natron bekannt, ist als Grundstoff gegen Mehltaupilze, Apfelschorf und Lagerkrankheiten an Gemüse, Beerenobst, Zierpflanzen, Weinreben und Äpfeln genehmigt (LKSH 2022). Das BZL nennt für den Garten drei bis zehn Gramm Natron auf einen Liter Wasser (BZL 2025). Nimm Natron in Lebensmittelqualität. Backpulver enthält neben Natron ein Säuerungsmittel und Stärke; genehmigt ist der reine Stoff Natriumhydrogencarbonat. Zwischen Behandlung und Ernte liegt ein Tag Wartezeit (LKSH 2022). Weitere Tipps gegen den weißen Belag findest du im Artikel Mehltau biologisch den Kampf ansagen.
Weitere Grundstoffe für den Garten
| Grundstoff | Wogegen | Zubereitung laut Übersicht |
|---|---|---|
| Kuhmilch | Mehltau an Gurke, Zucchini, Kürbis | 50 bis 100 ml Milch auf 1 l Wasser, bei Kürbis mehr (BZL 2025) |
| Molke | Echter Mehltau an Gurke, Zucchini, Kürbis, Tomate | Molke mit Wasser verdünnt, schnell verbrauchen (LKSH 2022) |
| Sonnenblumenöl | Echter Mehltau an Tomate und Obstbäumen | 1 bis 5 ml Öl auf 1 l kaltes Wasser (BZL 2025) |
| Weidenrinde (Salix spp.) | Kräuselkrankheit, Apfelschorf, Mehltau an Obstbäumen | Rinde in Wasser ziehen lassen, filtern, verdünnen (LKSH 2022) |
| Lecithin | Mehltau, Schorf, Braunfäule | in kaltem Wasser gelöst (LKSH 2022) |
| Essig | Desinfektion von Schnittwerkzeug und Saatgut | 50 ml Essig auf 1 l Wasser für Werkzeug (LKSH 2022) |
| Bier | Schnecken | unverdünnt in Fallen mit Dach, bis zu eine Falle pro m² (LKSH 2022) |
Kamillentee und Zwiebelbrühe tauchen in vielen Gartenratgebern auf. Kamille ist ausdrücklich kein genehmigter Grundstoff (BZL 2025), und Zwiebel fehlt in der Grundstoff-Übersicht der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH 2022). Gegen einen Befall darfst du solche Tees deshalb nicht einsetzen.
Schmierseife und Kaliseife
Seifenlösungen gehören zu den ältesten Mitteln gegen Blattläuse. Kaliseife wirkt über direkten Kontakt: Sie schädigt die Hülle weichhäutiger Insekten, die dann austrocknen, und greift ihre Atemöffnungen an (Schrader 2021). Sie wirkt gegen Blattläuse, Spinnmilben und Weiße Fliege, hat nach dem Antrocknen keine Nachwirkung und trifft Larven von Florfliegen und Marienkäfern mit (Schrader 2021). Einige Pflanzen reagieren mit Blattschäden, und kalkhaltiges Wasser mindert die Wirkung (Schrader 2021).
Rechtlich musst du unterscheiden. Es gibt zugelassene Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Kaliseife (Fettsäuren-Kaliumsalze) (JKI); ob ein Produkt in den Hausgarten darf, zeigt die Aufschrift für nichtberufliche Anwender. Selbst angerührte Schmier- oder Kernseifenlösung ist dagegen kein genehmigter Grundstoff (BZL 2025) und damit als Pflanzenschutz nicht erlaubt (LfL). Das Julius Kühn-Institut rät zudem ausdrücklich davon ab, normale Haushaltsschmierseife zu verwenden; für Spritzbrühen braucht es reine Kaliseife ohne Zusätze mit einem pH-Wert bis zehn (JKI). Greif gegen einen starken Blattlausbefall deshalb zu einem zugelassenen Kaliseife-Präparat mit der Aufschrift für nichtberufliche Anwender. Was sonst gegen Blattläuse hilft, liest du im Artikel Blattläuse ökologisch entfernen.
Biologische Pflanzenschutzmittel aus dem Handel
Wenn Vorbeugung und Grundstoffe nicht reichen, gibt es zugelassene Pflanzenschutzmittel mit Wirkstoffen natürlichen Ursprungs. Achte beim Kauf auf die Zulassung für nichtberufliche Anwender und halte dich an die Gebrauchsanleitung.
Präparate mit Bacillus thuringiensis (Bt) enthalten ein Bodenbakterium, dessen Eiweißkristalle sich im Darm von Schmetterlingsraupen lösen und die Darmwand zerstören. Die Raupen stellen den Fraß ein (LWK NRW 2020). Bt wirkt gegen Raupen von Schadschmetterlingen im Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenbau. Junge Raupen sind empfindlicher, deshalb behandelst du früh. Weil UV-Licht die Kristalle abbaut, sind Wiederholungen im Abstand von zehn bis 14 Tagen nötig (LWK NRW 2020).
Neem-Präparate enthalten Azadirachtin aus den Samen des tropischen Niembaums. Der Wirkstoff hemmt den Fraß vieler Insekten und stört ihre Häutung und Fortpflanzung. Im Freiland baut er sich schnell ab (JKI).
Präparate auf Basis von Pflanzenölen wie Rapsöl überziehen Schädlinge wie Spinnmilben und Blattläuse mit einem Film. Das Julius Kühn-Institut nennt Rapsöl und Neemöl die bekanntesten Pflanzenöle im ökologischen Anbau (JKI). Selbst angerührtes Rapsöl ist kein genehmigter Grundstoff (BZL 2025).
Netzschwefel ist fein vermahlener Schwefel mit Netzmittel. Er wirkt gegen Schorf und vor allem gegen Echten Mehltau, bei Falschem Mehltau und Grauschimmel kaum (JKI). Kupferpräparate wirken gegen Pilzkrankheiten wie die Kraut- und Braunfäule. Kupfer steht wegen seines Verbleibs im Boden und seiner Wirkung auf Bodenorganismen in der Diskussion; in Deutschland dürfen Betriebe pro Jahr höchstens drei Kilogramm Reinkupfer je Hektar ausbringen (JKI Kupfer).
Schneckenkorn mit Eisen-III-phosphat streust du mit etwa fünf Gramm pro Quadratmeter (das sind rund 350 Körner) gleichmäßig aus und legst nach, wenn gefressen wurde. Laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft schont es Regenwürmer und Laufkäfer und gefährdet Igel und Haustiere nicht (LfL Schnecken).
Wo die Grenzen liegen
Auch natürliche Mittel haben Nebenwirkungen. Kaliseife schädigt Florfliegen- und Marienkäferlarven (Schrader 2021). Kupfer steht wegen seines Verbleibs im Boden in der Kritik (JKI Kupfer). Wirkstoffe natürlichen Ursprungs brauchen ebenso eine Zulassung wie jedes andere Pflanzenschutzmittel.
Grundstoffe und Hausmittel wirken vor allem vorbeugend und bei leichtem Befall. Ein Tee aus Kräutern, die nicht als Grundstoff genehmigt sind, kann Pflanzen oder Menschen schaden; das BZL warnt ausdrücklich vor Sprühnebel aus Rainfarn, Wermut, Beifuß und Schafgarbe (BZL 2025).
Bewährt hat sich diese Reihenfolge, die dem integrierten Pflanzenschutz entspricht (§ 2 Nr. 2 PflSchG; LfL):
- Vorbeugen mit Standort, Sorten, Mischkultur und Pflege.
- Nützlinge fördern und ihnen Zeit geben.
- Mechanisch eingreifen, etwa abstreifen, abspülen oder einnetzen.
- Genehmigte Grundstoffe nach Vorschrift anwenden.
- Ein zugelassenes Pflanzenschutzmittel für nichtberufliche Anwender einsetzen, wenn alles andere nicht reicht.
Ein gewisser Befall gehört dazu. Wer jede Blattlaus bekämpft, nimmt Marienkäfern und Florfliegen die Nahrung.
Übrig gebliebene Pflanzenschutzmittel sind Gefahrstoffe und dürfen nicht unkontrolliert in die Umwelt gelangen (Pflanzenschutzamt Berlin). Bring Reste zur Schadstoffsammelstelle deiner Kommune.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Pflanzenschutzmittel und Pflanzenstärkungsmittel?
Pflanzenschutzmittel bekämpfen Schaderreger direkt und brauchen eine Zulassung. Pflanzenstärkungsmittel dienen allgemein der Gesunderhaltung der Pflanzen, sind nicht zur Bekämpfung bestimmt und werden beim BVL nur angezeigt (§ 2 Nr. 10 PflSchG; BVL).
Darf ich Brennnesseljauche gegen Blattläuse spritzen?
Nur in der Form, die als Grundstoff genehmigt ist: ein drei bis vier Tage vergorener Auszug aus 75 Gramm frischen Blättern pro Liter, fünffach verdünnt, an den genannten Kulturen (LKSH 2022). Die zwei Wochen vergorene Jauche ist ein Dünger.
Welche Hausmittel sind im Garten erlaubt?
Stoffe, die als Grundstoffe genehmigt sind, etwa Ackerschachtelhalm, Brennnessel, Natron, Milch, Molke, Sonnenblumenöl, Weidenrinde, Essig und Bier, jeweils nach den festgelegten Anwendungsbedingungen (LKSH 2022; BZL 2025). Andere Hausmittel wie Schmierseife, Rapsöl oder Kamillentee sind als Pflanzenschutz nicht erlaubt.
Hilft Backpulver gegen Mehltau?
Genehmigt ist der reine Wirkstoff Natriumhydrogencarbonat, also Natron. Das BZL nennt drei bis zehn Gramm pro Liter Wasser (BZL 2025). Backpulver enthält zusätzlich Säuerungsmittel und Stärke.
Woran erkenne ich ein Pflanzenschutzmittel für den Hausgarten?
An der Aufschrift „Anwendung durch nichtberufliche Anwender zulässig“ (Pflanzenschutzamt Berlin). Pflanzenschutzmittel dürfen nicht in Selbstbedienung verkauft werden; im Handel berät dich eine sachkundige Person (BVL).
Brauche ich einen Sachkundenachweis?
Für Mittel, die für nichtberufliche Anwender zugelassen sind, nicht. Wer Pflanzenschutzmittel als Dienstleistung in fremden Gärten anwendet, braucht ihn (Pflanzenschutzamt Berlin).
Quellen
- Gesetz zum Schutz der Kulturpflanzen (Pflanzenschutzgesetz, PflSchG), §§ 2, 12 und 68. Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/pflschg_2012/
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Anwendung von Grundstoffen. https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/02_AnwendungGrundstoffe/psm_AnwendungGrundstoffe_node.html
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Anwendung von Pflanzenstärkungsmitteln. https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/04_Anwender/021_AnwendungPStM/psm_AnwendungPStM_node.html
- Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL): Pflanzenschutzmittel für Haus- und Kleingarten. https://www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/04_Pflanzenschutzmittel/02_Verbraucher/03_HausKleingarten/psm_HausKleingarten_node.html
- Julius Kühn-Institut (JKI): Ökologischer Landbau: Pflanzenstärkungsmittel. https://wissen.julius-kuehn.de/oekologischerlandbau/pflanzenschutz-staerkungsmittel/pflanzenstaerkungsmittel
- Julius Kühn-Institut (JKI): Ökologischer Landbau: Grundstoffe. https://wissen.julius-kuehn.de/oekologischerlandbau/pflanzenschutz-staerkungsmittel/grundstoffe
- Kühne, Stefan; Friedrich, Britta (JKI): Ökologischer Landbau: Pflanzenschutzmittel, Wirkstoffe (Einträge Schmierseife, Neem, Pflanzenöle, Schwefel). https://wissen.julius-kuehn.de/oekologischerlandbau/pflanzenschutz-staerkungsmittel/pflanzenschutzmittel
- Julius Kühn-Institut (JKI): Wissensportal Kupfer. https://wissen.julius-kuehn.de/kupfer
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Orzek, Sybille: Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten: Das gilt es zu beachten! https://www.lfl.bayern.de/ips/kleingarten/273026/index.php
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL): Schnecken: Pflanzenbau, Bekämpfung, Abwehr. https://www.lfl.bayern.de/ips/kleingarten/049060/index.php
- Pflanzenschutzamt Berlin: Anwendung von Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungsmitteln in Haus-, Klein- und Siedlergärten. https://www.berlin.de/pflanzenschutzamt/ueberwachung/pflanzenschutzmittel-im-haus-und-kleingarten/
- Pflanzenschutzamt Berlin: Grundstoffe im Pflanzenschutz. https://www.berlin.de/pflanzenschutzamt/ueberwachung/grundstoffe-im-pflanzenschutz/
- Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Pflanzenschutzdienst: Pflanzenschutz im Haus- und Kleingarten: Aktuelle Listen. https://www.pflanzenschutzdienst-niedersachsen.de/pflanzenschutz/news/31461_Pflanzenschutz_im_Haus-_und_Kleingarten_-_Aktuelle_Listen
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH): Genehmigte Grundstoffe für den Pflanzenschutz. Stand Mai 2022. https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Gartenbau/Genehmigte_Grundstoffe_fuer_den_Pflanzenschutz.pdf
- Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein (LKSH): Grundstoff Equisetum arvense (Ackerschachtelhalm). Merkblatt Haus- und Kleingarten. https://www.lksh.de/fileadmin/PDFs/Gartenbau/HuK-Merkblatt_Grundstoff_Ackerschachtelhalm.pdf
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Jauche, Brühe und Tee: fünf pflanzliche Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten im Garten. landwirtschaft.de, aktualisiert 20.10.2025. https://www.landwirtschaft.de/garten/duengung-und-pflanzenschutz/pflanzenschutz/jauche-bruehe-und-tee-fuenf-pflanzliche-mittel-gegen-schaedlinge-und-krankheiten-im-garten
- Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL): Sechs Hausmittel gegen Blattlaus und andere Schädlinge und Pflanzenkrankheiten im Garten. landwirtschaft.de, aktualisiert 20.10.2025. https://www.landwirtschaft.de/garten/duengung-und-pflanzenschutz/pflanzenschutz/sechs-hausmittel-gegen-blattlaus-und-andere-schaedlinge-und-pflanzenkrankheiten-im-garten
- Bundesverband Deutscher Gartenfreunde: Selbst hergestellte Pflanzenschutzmittel. 29.07.2016. https://www.gartenfreunde.de/gartenpraxis/pflanzenschutz/tipps-zum-pflanzenschutz/selbst-hergestellte-pflanzenschutzmittel/
- Ruisinger, Marion: Bacillus thuringiensis-Präparate zur Bekämpfung von Schadschmetterlingen. Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (LWK NRW), 17.09.2020. https://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/pflanzenschutz/biologisch/falter/bacillus-thuringiensis.htm
- Schrader, Karl: Umweltfreundliche Pflanzenschutzmittel auf Basis von Kali-Seife. Juni 2021. https://www.jvl-gp.de/content/3-schueler-werden/3-gartenbau-und-floristik/1-gaertner/1-pruefungstraining/19-arbeitsmaterial-und-info-blaetter/psm_kaliseife.pdf
- NABU: Nützlinge im Garten. https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/pflege/pflanzenschutz/nuetzlinge/index.html